Kultur : Antike bis heute

Bernhard Schulz über die Wege des europäischen Erbes

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Unerschöpflich, so scheint es, sind die Bestände der Berliner Antikensammlung. Was derzeit im Alten Museum präsentiert werden kann, ist nur eine schmale Auswahl – und zugleich ein kaum zu fassender Reichtum. Und doch gibt es Fehlstellen: solche, die nur Museumsleute kennen. Etwas davon ist in Moskau zu besichtigen: 500 hervorragend restaurierte Stücke, die bei Kriegsende 1945 im Flakbunker am Zoo lagerten, als die Rote Armee ihn besetzte. Davor schon, so die Behauptung des Moskauer Puschkin- Museums, danach erst, so die Version der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ist der Bunker ausgebrannt, sind die Stücke zersprungen und verkohlt.

Was in Moskau zu sehen ist, gibt einen hübschen Querschnitt durch die Sammlung attischer und italischer Bronzen, Marmore und Terrakotten. Ein Stück Berlin in der Ferne – und ein Sinnbild der verschlungenen Wege, die das Erbe der Antike durch Europa genommen hat, durch die Hände von Fürsten, Sammlern, Kustoden und eben auch Soldaten – um endlich in der Hand der Politik zu landen. Doch die lässt sich Zeit, seit 60 Jahren nunmehr, so dass sich das Moskauer Museum der Trümmer annehmen konnte und sie nunmehr als Eigenbesitz ausgibt. Wessen Erbe ist die Antike, die einmal, zu Goethes, Winckelmanns, Humboldts Zeiten Urgrund aller Bildung war? Die den Entwurf eben jenes Alten Museums bestimmte, in dem die Antikensammlung ihren Platz hat? Die Moskauer „Trophäen“- Ausstellung gibt Anlass, über das europäische Erbe nachzusinnen – und, nebenbei, in der Berliner Antikensammlung vorbeizuschauen und sich ihrer, unserer wundervollen Schätze zu vergewissern.

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