Kultur : Antisemitismus: "Der Konflikt kann jederzeit ausbrechen"

Hat es Sie überrascht[dass der Anschlag in D]

Bettina Schubert. Die frühere Lehrerin und Psychologin ist beim Berliner Landesschulamt Expertin für Jugendgewalt.



Hat es Sie überrascht, dass der Anschlag in Düsseldorf nicht von deutschen Rechtsextremen, sondern von arabischstämmigen Jugendlichen begangen wurde?

Nein. Wir hören auch in Berlin immer wieder von antiisraelischen Taten, die von Jugendlichen palästinensischer oder arabischer Herkunft begangen werden. So hat mir gerade eine Schule mitgeteilt, dass sich der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern dort in Form von Beschimpfungen und Bedrohungen zwischen den unterschiedlichen Gruppen äußert. Es gibt eine Latenz, die jederzeit ausbrechen kann.

Gibt es dafür weitere Beispiele in Berlin?

Der gravierendste Fall ist der Fall, über den der Tagesspiegel berichtet hat. Aber in anderen Schulen gibt es ähnliche Beispiele. So haben in einer Grundschule arabischstämmige Kinder die israelische Fahne gezielt und bewusst zerstört. Und beim Ausflug einer Schule in das Konzentrationslager Sachsenhausen hat ein Jugendlicher palästinensischer Herkunft auf den Marterpfahl gespuckt, an dem damals Menschen ums Leben gebracht wurden, und gesagt, alle Juden müssten vergast werden.

Wie geht man als Lehrer damit um?

Ich habe das mit Referendaren diskutiert. Einer meinte, er müsse sich erst sachkundig machen über den Nahost-Konflikt, ein anderer sagt, man müsse die Eltern erziehen - aber wenn wir in der Schule nicht spontan reagieren, vertun wir eine Chance.

Gibt es zunehmende Verbindungen zwischen arabischstämmigen Jugendlichen und Deutschen mit rechtsextremem Gedankengut?

Es gibt parallele Symptome. Man hat eben den gemeinsamen Feind Israel. Aber durch konkrete Fälle könnte ich das nicht belegen.

Lehrer aus West-Berlin berichten, sie hätten mehr Probleme mit arabischen Fundamentalisten als mit Rechtsradikalen. Wieso?

Wir haben im Westteil der Stadt eine Gruppe von Schülern nichtdeutscher Herkunft, die schließen sich auf der Suche nach einer Heimat totalitären, extremistischen und gewalttätigen Gruppen an - und im Osten sind das eben die rechten Jugendlichen.

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