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Antisemitismus : Neuhardenberg-Kuratorium trennt sich von Israel-Hasser

Ein Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Schloss Neuhardenberg hatte die Vernichtung Israels für wünschenswert erklärt. Kulturstaatsminister Neumann war deswegen bereits aus dem Stiftungskuratorium ausgetreten.

von und Benjamin Weinthal

Die Stiftung Schloss Neuhardenberg in Brandenburg trennt sich von einem ihrer Kuratoriums-Mitglieder, dem stellvertretenden iranischen Außenminister Mostafa Dolatyar. Dies wird die Stiftung am heutigen Mittwoch bekannt geben. Der Hintergrund: eine antisemitische, aggressiv anti-israelische Äußerung des Politikers. Dolatyar hatte einer regimetreuen iranischen Nachrichtenagentur bereits 2010 in Bezug auf den Staat Israel gesagt: „Wir hoffen, dass die Prophezeiung des Imam in Bezug auf den Untergang dieses Regimes sehr bald eintritt.“ Dies wurde erst jetzt bekannt. Entdeckt hatte das Zitat der Iran-Experte Wahied Wahdat-Hagh, Senior Fellow der European Foundation for Democracy in Brüssel.

Erst vergangene Woche war Kulturstaatsminister Bernd Neumann aus dem Stiftungskuratorium ausgetreten, dem auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Alt-Bischof Wolfgang Huber angehören. Für den Austritt gebe es verschiedene Gründe, sagte Neumanns Pressesprecher dem Tagesspiegel, „die israelfeindlichen Äußerungen Dolatyars spielen dabei eine Rolle“. Auch Jörg Kronsbein, Pressesprecher der Stiftung, äußerte sich zunächst diplomatisch, offenbar fürchtete man außenpolitische Verwicklungen. Kronsbein erklärte, die Mitgliedschaft eines iranischen Vertreters im Kuratorium sei zur Stiftungsgründung 2001/2002 zustande gekommen, „zur Zeit von Mohammad Khatami, von dem der Dialog der Religionen und Zivilisationen nachhaltig befördert wurde“. Dolatyar gehört seit vergangenem Jahr dem Kuratorium an. Man habe nun geprüft, ob dies noch aufrechterhalten werden könne: „Die Äußerungen Dolatyars hinsichtlich Israels, die der Stiftung nicht bekannt waren, sind gänzlich inakzeptabel.“ Ohnehin steht eine Neustrukturierung des Kuratoriums an, da etliche Mitglieder ihre früheren Funktionen nicht mehr innehaben.

Die Stiftung Schloss Neuhardenberg, die von Bernd Kauffmann geleitet wird und im Besitz des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes ist, hat sich mit ihren Kulturveranstaltungen eigentlich als internationale Plattform für den Dialog zwischen Ost und West, auch zwischen der christlichen und der islamischen Welt hervorgetan. Ein Dialog, der immer wieder an Grenzen gerät: Erst Mitte Oktober war eine Diskussionsrunde mit dem iranischen Botschafter Ali Reza Seikh Attar und dem Philosophen Rüdiger Safranski über den iranischen Nationaldichter Hafez nach Protesten abgesagt worden. Exil-iranische Oppositionelle werfen dem Botschafter die Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Die deutsch-iranische Kultur-Expertin Nasrin Amirsedghi sagte nun zum Fall Dolatyar: „Im Iran werden in jeder Sekunde Menschenrechte wie die uneingeschränkte persönliche Freiheit, Meinungsfreiheit, Freiheit der Presse und Künste mit Füßen getreten.“ Jede Stimme des Widerstandes werde „überall im Land mit mittelalterlichen Methoden erstickt“. Und nun sitze „ein Vertreter des Regimes in einer deutschen Stiftung, die sich als idealer Standort für internationale Treffen in den Bereichen Kunst, Politik und Wissenschaft begreift“. Sie sieht darin einen „Verrat am jüdischen und iranischen Volk, eine Schande für Deutschland“. Die Stiftung hat sich eines Besseren besonnen.

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