Anton Henning im Literaturmuseum Rheinsberg : Wo die Grazien grasen

Liebeserklärung an eine widersprüchliche Heimat: Der Maler Anton Henning stellt im Literaturmuseum im Rheinsberger Schloss aus.

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Heimatgefühl. Kühe auf der Wiese, gemalt von Anton Henning.
Heimatgefühl. Kühe auf der Wiese, gemalt von Anton Henning.Foto: Henning/ VG Bildkunst

Der Satz „Home is where the heart is“ hat verschiedene Quellen. Plinius dem Älteren wird er zugeschrieben, Elvis Presley sang einen herzzerreißenden Song mit dieser Zeile als Refrain. Nun taucht er im Untertitel der Ausstellung „Heimat schaffen“ von Anton Henning wieder auf. Genau auf diesem unsichtbaren Grat zwischen Kitsch und großer Kunst, philosophischem Anspruch und sehr viel Spaß bewegt sich auch das Werk des Berliner Künstlers, der malt, bildhauert, filmt, fotografiert, Musik macht und ganze Räume inszeniert.

Dass er es trotzdem verdammt ernst meint, zeigt sich am Ausstellungsort, dem Kurt Tucholsky Literaturmuseum im Rheinsberger Schloss (bis 1. April 2015). Seit zwanzig Jahren lebt Henning auf einem Gehöft in der Nähe von Neuruppin – die ehemalige Scheune ein riesiges Atelier, die umgebende Landschaft eine permanente Inspiration für diesen Großstadt-Künstler. „Heimat schaffen“ das klingt zugleich nach Arbeit, nach einer dauerhaften Herausforderung durch die Provinz. Und doch hat Henning hier sein Herz verloren, das zeigen die hingebungsvollen Porträts etwa der Grazien, genauer: dreier Kühe auf der Wiese, die humorige Selbstinszenierung als armer Poet à la Spitzweg (in dem Fall: Rockstar) mit diversen Landschaftsbildnissen an der gemusterten Tapete.

Da begeistert sich einer für Malerei und stellt sie doch immer wieder infrage, indem er sie zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, respektvollen kunstgeschichtlichen Zitaten und ironischer Brechung hin und her pendeln lässt. Dass die Werke des überzeugten Dorfmenschen in den Sammlungen der großen Metropolen zu finden sind, ist nur einer der Widersprüche, mit denen Henning gelassen lebt.

Wie wenig sich dieses Multitalent greifen lässt, belegen die amüsanten Doppelselbstporträts, in denen er sich als Geschäftsmann wie Koch darstellt – der eine prüft ein Cibachrome, der andere einen Rotwein – oder im karierten Tweed-Anzug selbst malt und dadurch zugleich als Maler, Modell und Abbild vorkommt. Zu so viel Opulenz passt es perfekt, dass die Fortsetzung dieser Liebeserklärung an eine widersprüchliche Heimat längst geplant ist. Teil zwei folgt im Museum Neuruppin ab 22. Februar, das mit Anton Henning sein Haus wiedereröffnet.

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