Kultur : Antworten von

VORWAHL (1)

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Tilman Spengler

Wir haben Künstlern und Schriftstellern drei Fragen gestellt.

1. Deutschland und der Reformstau: Welche Reformen halten Sie für am dringlichsten – und was wäre Ihre Lieblingsreform ?

2. Schröder contra Stoiber: Welchen Rollen-Typus verkörpern die beiden Staatsschauspieler?

3. Ist die etablierte Parteienklasse zu versteinert – und würden Sie sich einen neuen Politikertypus wünschen ? Was wäre die Lockung oder Drohung eines Außenseiters à la Pim Fortuyn?

1. Ich bin überhaupt kein erklärter Kritiker des „Reformstaus". Die Schriftreform zum Beispiel hätte von mir aus noch lange im Stau stecken bleiben können, desgleichen viele der Universitätsreformen, zu schweigen von den Reformen zu meiner Inneren Sicherheit oder der Reform des Donauverlaufs. Meine Lieblingsreform als Schriftsteller würde in meinem Dorf wieder eine Poststelle einführen, meine Lieblingsreform als Staatsbürger würde ausgewählte Politiker zwingen, ihre eigenen Reden mehrfach am Tag wiederanhören zu müssen und ausgewählte Journalisten, mehrfach ihre Artikel laut vorgelesen zu bekommen. Die Gnade des Ohrenstöpsels wird nicht erteilt.

2. Beide Politiker sind an zu viele Aufführungen gewöhnt, als dass sie auf eine Rolle festzulegen wären. Stoiber käme als Gesamtensemble von Oberammergau in Frage, inszeniert von Loden Frey. Schröder als Don Brioni in allen Verdi-Produktionen der Festspiele von Verona, am besten in der Regie von Jürgen Flimm.

3. Ein Gesicht wie das von Peter Struck, das eine ganze Bundeswehr überflüssig macht, ein Lächeln, wie das von Edmund Stoiber, welches den Treibhauseffekt stoppt, ein Auftritt von Möllewelle, der Kneipp-Kuren ersetzt – also, bei dieser Vielfalt brauche ich keinen neuen Politikertypus mehr.

Tilman Spengler lebt als Schriftsteller in Ambach. Zuletzt erschien von ihm „Das Glück wartet draußen vor der Stadt“ (btv).

Nächste Folge: Maxim Biller

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