Kultur : Anwalt der Architekten

Zum Ende der Amtszeit von Peter Conradi

Jürgen Tietz

Für Peter Conradi, der am Wochenende aus seinem Amt als Präsident der Bundesarchitektenkammer (BAK) scheidet, sollte gute Architektur helfen, das Leben freier, leichter und schöner zu machen. Doch das kann sie nur, wenn sie auf möglichst große öffentliche Gegenliebe stößt. Grund genug für den streitbaren Westfalen, in den letzten fünf Jahren die Rolle eines Architekturvermittlers einzunehmen: Als Standesvertreter von 110000 Architekten hat er, den man nicht wegen eigener Bauwerke kennt, sich dafür stark gemacht, die Baukultur als gesellschaftspolitisches Thema zu verankern – nicht zuletzt im Bundestag, dem er 26 Jahre als SPD-MdB angehörte. Wenn Architektur in Deutschland auch nicht – wie in Finnland – Verfassungsrang erhält, so soll mit der Gründung der „Bundesstiftung Baukultur“ 2005 doch das „Bewusstsein für die gebaute Umwelt geschärft werden“.

Nachdrücklich betont Conradi, dass die BAK unter seiner Präsidentschaft „politischer geworden“ sei. Damit meint der Sozialdemokrat die Notwendigkeit, sich in den gesellschaftlichen Diskurs einzumischen. So wurde die Abschaffung der Honorarordnung für Architekten verhindert. Zugleich hat sich Conradi für eine Stärkung des Wettbewerbswesens stark gemacht: Noch immer bekommen zu wenige junge Architekten die Gelegenheit, sich über Wettbewerbe mit innovativen Bauten für neue Aufgaben zu empfehlen. Hier ist die BAK gefordert, etwa durch die Förderung deutscher Architekten im Ausland, die im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Dafür wurde als Hilfestellung im Ausland das Netzwerk „Architekturexport“ gegründet.

Weniger Gehör fand Conradi während seiner Amtszeit mit dem Plädoyer gegen einen Neubau des Berliner Schlosses. Im Umgang mit historischen Bauten sieht der 71-Jährige eine Zukunftsaufgabe für Architekten. Dabei plädiert er statt für Abriss oder Nachbau für den dritten Weg der Aneignung durch zeitgenössische Ergänzung. Umso erfreuter schaut er so auf die derzeitige Zwischennutzung des Palasts der Republik.

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