Anziehend : Schick auf Pump

Wenn die Bären vergeben werden, dann sitzt so mancher Promi im gesponserten Outfit da.

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Modisch. Schauspieler Moritz Bleibtreu und seine Kollegin Nadine Warmuth wurden von Boss für die Premiere von »Jud Süß«...Fotos: Schroewig/Eventpress

Am Ende wird es noch einmal richtig glamourös – denn wenn am Samstagabend die Gewinner der Berlinale ausgezeichnet werden, wollen die Stars nicht weniger glänzen als die silbernen Bären. Viele der prominenten Gäste werden allerdings in geliehenen Kleidern über den roten Teppich gehen – nicht etwa, weil sie zu knauserig sind, sondern weil sie mit Modeunternehmen einen Deal haben: Die Schauspieler werden kostenlos ausgestattet, bekommen Anzug oder Abendrobe passgenau ins Hotel oder nach Hause geliefert. Derweil hofft das Unternehmen, dass der Glanz des Stars auf die Marke abfärbt und die Mode umso begehrenswerter für die Kunden macht. Ihnen soll suggeriert werden, sich mit jedem Pulli, Anzug oder Kleid ein Stück Glamour mitkaufen zu können.

„Celebrity Dressing“ heißt dieses Tauschgeschäft, das auch bei der diesjährigen Berlinale betrieben wird. In den USA ist dieser anziehende Service schon lange selbstverständlich, hier haben die Stars nicht nur ihre eigenen Stylisten, sondern oft auch Experten für Haare, Make-up und manchmal sogar Spezialisten allein für Augenbrauen dabei. Aber auch in Deutschland haben die Schauspieler inzwischen gemerkt, dass es nicht an ihrer Kunst kratzt, wenn sie dabei auch noch gut aussehen.

Besonders engagiert wird dieses Tauschgeschäft vom Unternehmen Hugo Boss betrieben. Das Modehaus aus Metzingen ist seit sieben Jahren Partner des Filmfestivals und bietet seither den Darstellern und Regisseuren der Wettbewerbsfilme sowie den Jury-Mitgliedern des Filmfestivals an, sie für ihre Auftritte auszustatten. Aber auch deutsche Schauspieler wie Jessica Schwarz, Nadine Warmuth oder Moritz Bleibtreu dürfen auf diesen Service zurückgreifen.

Boss hat extra für das Filmfestival im Hotel Hyatt nur wenige Meter vom Berlinale-Palast entfernt eine Suite gemietet, wo sich die Stars ihre Outfits persönlich aussuchen können. Im schmalen Flur des Zimmers reihen sich 150 Anzüge und Smokings aneinander, im Wohn- und Arbeitszimmer liegen 200 Hemden, 60 Krawatten und 20 Fliegen bereit und entlang der Wände sind Stangen voller Kleider aufgebaut, lange und kurze, schwarze und bunte, 300 Stück insgesamt, die meisten in Größe 36. Dazwischen sitzt Claudia Schmidt, Team-Leiterin für Marken-Kommunikation und Vip-Service zusammen mit ihrer Kollegin Ellen Fink und organisiert den Ablauf. Ständig klingelt das Telefon, gerade fragt der Assistent von Schauspielerin Amanda Peet an, ob das Kleid für die Premiere von „Please Give“ am Abend noch vor Mittag geliefert werden kann. Klar, Ellen Fink geht schnell rüber ins Ritz, wo Peet eingecheckt ist. Claudia Schmidt trägt derweil die Nummer des Kleides hinter Peets Namen in einer Datenbank ein. Hier wird festgehalten, welcher Star welches Kleid beziehungsweise welchen Anzug bei welchem Event tragen will und getragen hat – denn es gilt den Super-Gau beim „Celebrity Dressing“ zu vermeiden: dass zwei Stars beim gleichen Event im gleichen Kleid auftauchen. So wie kürzlich bei der „Goldenen Kamera“, wo Schauspielerin Diane Kruger und „Topmodel“-Gewinnerin Barbara Meier beide die gleiche Robe von Valentino getragen haben. Wie das passieren konnte, will das italienische Modehaus nicht sagen. Vermutlich war Barbara Meier von der deutschen Abteilung ausgestattet worden, wovon die internationale Abteilung nichts wusste und Diane Kruger die gleiche Robe schickte.

„So etwas ist uns noch nie passiert. Unsere weltweiten Büros achten darauf, dass es zu keinen Doppelauftritten kommt“, sagt Philipp Wolff, Kommunikationschef von Boss. Dass die Stars überhaupt auf die Idee kommen, Boss zu tragen, bedarf viel Kontaktpflege. „Es bringt nichts, einem Star für einen Abend eine Summe zu zahlen, damit er ein Kleid oder einen Anzug trägt. Sondern ,Celebrity Dressing’ kann nur dann erfolgreich sein, wenn der Star glaubwürdig hinter der Marke steht“, sagt Wolff. Zur guten Kontaktpflege gehört beispielsweise, schnell Ersatz liefern zu können, wenn ein Koffer verschwunden ist oder der Star in letzter Minute plötzlich doch Lust auf ein pinkes statt ein rotes Kleid hat.

Allerdings sind die Zeiten, in denen Häuser wie Givenchy Stars wie Audrey Hepburn exklusiv ausstatteten, vorbei. Das Angebot an hübschen Kleidern ist zu groß, viele Promis wollen sich die Auswahl vorbehalten. Nadeshda Brennicke ist jedoch eine der wenigen Schauspielerinnen, die sich zumindest zeitweise allein von einem Designer einkleiden lässt, vom Berliner Modemacher Michael Michalsky. „Mir ist der Aufwand einfach zu groß, die Look-Books verschiedener Designer durchzublättern“, sagt die Schauspielerin. Bevor sie den „Celebrity Dressing“-Service wahrgenommen habe, hätte sie oft dasselbe Abendkleid angezogen. „Ich selbst würde niemals so viel Geld für Klamotten ausgeben“.

Aber nicht nur Modeunternehmen, sondern auch Schmuckhersteller bieten Stars an, ihre Kollektionen zu tragen. Die Vips bekommen dann nicht nur zwei Ohrringe, sondern auch zwei Sicherheitsleute verpasst. Sie sollen aufpassen, dass die oft hunderttausend Euro teuren Accessoires nicht von einem Dieb weggerissen werden – denn das geht bei Ketten schneller als bei Kleidern.

Behalten dürfen die Promis in der Regel weder Schmuck noch Klamotten – wozu auch, denn wer dasselbe Outfit zweimal trägt, gilt schnell als out. Im besten Fall landen die Kleider und Anzüge wieder gut gereinigt bei Claudia Schmidt und Ellen Fink im Boss-Showroom in Friedrichshain. Von hier werden sie dann an Fotoshootings für Modemagazine verliehen. Manchmal gibt es aber Ausnahmen. Wenn einem Promi ein Kleid besonders ans Herz gewachsen ist, dann darf er es auch behalten – beispielsweise, wenn er darin einen Bären gewonnen hat.

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