Kultur : Apathisch

JULIA REHDER

Genaugenommen beginnt die Inszenierung bereits vor der eigentlichen Show: Die Theaterbesucher des Stückes Fahles Ende kleiner Begierden: Han und Amin von Jürg Laederach (weitere Aufführungen am 24., 25.und 30.10.sowie am 1.und 15.11) haben sich im Foyer des Benjamin Franklin Krankenhauses zusammengefunden.Von dort aus werden sie zum Spielort geführt: Quietschende Linoleumgänge, eine einspurige Wendeltreppe hinauf und schließlich hinab in den tiefen Schlund der Spielstätte - im alltäglichen Gebrauch der Hörsaal des Klinikums.Auf der Bühne flimmert ein Bildschirm schwarz-weiß.Ein langhaariger Pfleger schiebt schweigend die Protagonisten auf die Bühne.Sie sitzen auf Bettkanten, tragen schwarze Hüte, ihre Körper sind mit Mullbinden umwickelt.Die Stimmung ist gedrückt, fast eisig.In wiederkehrenden Worthülsen, die in ihrer Monotonie letztendlich Rhythmus versprühen, versuchen Han und Amin zu kommunizieren.Ihr Thema ist der Tod, doch die verbale Annäherung vollzieht sich auf Umwegen.Sie reden vom "Schwinden" und bangen: "Am Schluß sind wir dran".In ihren unerbitterlichen Wiederholungen verändern die zwei Patienten ihre Aussagen jeweils nur um Nuancen, finden so zu neuem Sinn.Das Unausweichliche zögern sie hinaus.Ihre Wort-Jonglage, ganz in der spielerischen Tradition des Sprachpoeten Ernst Jandl, wird vom Klang der Changotrommeln untermauert: Mit apathischen Blicken trommeln zwei Asiatinnen ihrer Seelenfreiheit entgegen - unaufhaltsam.Eine treffende Umsetzung, auf die Regisseur Christian Barthelmes stolz sein kann.Über die geringe Resonanz unter den Patienten braucht er sich allerdings nicht zu wundern.Kranke Menschen verlangen eben nach leichterer Kost.

0 Kommentare

Neuester Kommentar