Apulische Kulturtage : Tarantella in Dahlem

Am Sonntag starten die Apulischen Kulturtage im Berliner Museum Europäischer Kulturen.

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Wer dieses Jahr keine Zeit für einen Sommerurlaub hat oder gleich nach der Rückkehr aus den Ferien wieder Fernweh bekommt, sollte einen Abstecher ins Berliner Museum Europäischer Kulturen (MEK) nach Dahlem unternehmen, wo mit dem Sommerfest am morgigen Sonntag die Apulischen Kulturtage beginnen. Drei Wochen lang ist die Ausstellung „Erkundungen“ zu sehen, daneben gibt es Führungen, Vorträge, Lesungen und Konzerte rund um die südostitalienische Region. Auch die Verbindung zur museumseigenen Sammlung wird hergestellt: „Es gehört zum Konzept der Kulturtage, dass wir immer auch einige von unseren insgesamt 250 000 Objekten zeigen“, sagt Museumsdirektor Konrad Vanja.

Ausgestellt werden vor allem Alltagsgegenstände: Holzmasken, die böse Blicke abwehren sollen, Fächer aus Federn zum Feueranfachen, kleine Tonpfeifenfiguren. Im Mittelpunkt stehen aber die Bilder. An die hundert Aufnahmen von verschiedenen Fotografen spiegeln die Vielfalt Apuliens, die ältesten stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts, die neuesten aus diesem Jahr. Die Wolfenbütteler Fotografin Christa Zeißig reiste im Auftrag des Museums im Frühjahr nach Apulien, wo sie den Einfluss des Menschen auf die Landschaft dokumentierte. Was aussieht wie eine Schneelandschaft, in der ein blühender Baum prangt, ist ein mit weißer Folie abgedecktes Obstfeld. Ein anderes Bild zeigt einen Olivenbaum inmitten eines lilafarbenen Feldes – dort werden Lollo- Rosso-Salatköpfe angebaut. Rot leuchtet die Erde an den steilen Abhängen eines Kratersees, wo einst Bauxit für die Aluminiumgewinnung abgebaut wurde. Klischeeaufnahmen wie aus dem Reiseführer sucht man vergebens. „Das Pittoreske wollten wir vermeiden. Man erkennt die Schönheit der Landschaft, aber es wird nichts geschönt“, erläutert die Kuratorin Irene Ziehe.

Der Blick apulischer Fotografen auf ihre Heimat ist ebenso zentral wie der von außen. Die Schwarzweiß-Aufnahmen des gebürtigen Apuliers Giorgio Pegoli, bekannt als Kriegsfotograf, zeigen alte Männer mit Schirmmütze, die sich in den Gassen an schattige Häuserwände lehnen und Arbeiter auf den kargen Feldern bei der Olivenernte. „Es ist nicht in erster Linie eine Kunstausstellung, vielmehr geht es uns um das Alltagsleben: Wie lebten und leben die Menschen hier, wie arbeiten sie, wie ist ihr Verhältnis zur Religion?“, sagt Irene Ziehe.

Wie vielfältig nicht nur die Landschaft der italienischen Stiefel-Region ist, lässt sich auch am Programm erkennen. Neben Filmen und Vorträgen, etwa zur Architektur der Staufer-Zeit, zur Festkultur Apuliens und zur Tarantella, einem Volkstanz, wird es drei Konzerte geben. „Die meisten Musikgruppen Italiens stammen von hier“, erzählt Margherita D’Amelio, gebürtige Apulierin und für die Musik zuständig. Ein Highlight ist die Exkursion nach Berlin–Hermsdorf, wo ein „Trulli“-Dorf steht. Trulli sind typisch apulische Rundhäuser mit einem Kegeldach aus Stein. Noch ein Stück Italien in Berlin.

Museum Europäischer Kulturen, Arnimallee 25, bis 26. August, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa-So 11-18 Uhr. Infos: www.smb.museum.

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