Kultur : Arabischer Gipfel: Mal Koran, mal Kapital

Andrea Nüsse

Als die arabischen Staatschefs, Präsidenten und Könige zur feierlichen Eröffnungssitzung ihres ersten ordentlichen Gipfels seit 1990 im Königlichen Kulturzentrum in Amman zusammenkamen, war der Hauptstreitpunkt noch immer ungeklärt: Das Verhältnis zwischen Irak und Kuwait. Dieses Thema wollten die Staatschefs öffentlich am Liebsten auch gar nicht mehr berühren. Ihnen ging es in erster Linie um Versöhnung, auch um Wirtschaftsthemen - und um den Nahostkonflikt. Die Explosionen in Israel hallten sozusagen bis nach Amman, auch wenn es niemand zugeben mochte. UN-Generalsekretär Kofi Annan, der Gast des Gipfels, hatte schon vor dem Bekanntwerden der jüngsten Anschläge seine Rede beendet - und darin Israel und die Palästinenser zum Ende der Gewalt aufgefordert.

Immer wieder kamen die Redner auf den Nahostkonflikt zu sprechen. Auch König Abdallah von Jordanien. Er rezitierte zum Auftakt einen Teil der Eröffnungssure des Koran im Gedenken an die seit Ausbruch der Intifada im September getöteten Palästinenser; nicht zuletzt im Hinblick auf die Emotionen der eigenen Bevölkerung, die zu rund 50 Prozent palästinensischer Herkunft ist. Der junge Monarch machte klar, wie ein Friedensvertrag aussehen müsse: Ein unabhängiger Palästinenserstaat in den Grenzen von 1967 mit der Hauptstadt Ost-Jerusalem.

Bedrohung Israels

Kofi Annan gestand in seiner Rede den arabischen Staaten "das Recht" zu, "Israel für die andauernde Besatzung von palästinensischem und syrischem Land" und die "exzessiv harsche Antwort auf die Intifada" zu kritisieren. Er stützte die arabische Forderung, dass eine Lösung auf den UN-Resolutionen 242 und 338 und dem Prinzip "Land für Frieden" basieren müsse. Allerdings würde die Kritik an Israel effizienter sein, wenn die Israelis sicher wären, dass ihre Existenz nicht bedroht ist, sagte Annan.

Dem UN-Generalsekretär war es schließlich auch vorbehalten, doch noch das Thema Irak anzusprechen. Das Leid der Zivilbevölkerung in Irak stelle auch für die UN ein "moralisches Dilemma" da. Er hoffe, dass die Sanktionen "eher früher als später" aufgehoben werden, sagte er. Allerdings machte er auch sehr deutlich, was die Bedingung dafür sei: Irak müsse mit den Vereinten Nationen und seinen Nachbarn kooperieren, anstatt die Konfrontation zu suchen. Dieser Appell aber schien den irakischen Delegationsführer Ezzat Ibrahim nur wenig zu berühren.

Seit drei Tagen versuchen die Außenminister in großer Runde, Irak dazu zu bewegen, ein Kompromisspapier anzunehmen. Darin soll Kuwait beispielsweise auf eine offizielle Entschuldigung für die irakische Invasion von 1990 und die siebenmonatige Besatzung verzichten. In dem Papier wird die UN auch aufgefordert, das Embargo gegen "Irak" aufzuheben.

Mit dieser Wortwahl hat man sich bereits Iraks Positionen angenähert, denn zunächst war vom Embargo gegen "die irakische Bevölkerung" die Rede. Der Irak aber gibt sich hart und fordert weiterhin, dass die arabischen Staaten die Sanktionen einseitig aufheben, ohne auf eine UN-Entscheidung zu warten - Kuwait und Saudi-Arabien lehnen diese Haltung strikt ab.

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