Kultur : Arabischer Gipfel: Mal Populist, mal Diplomat

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"Ich hasse Israel. Ich liebe Amr Mussa." Das ist der Refrain eines ägyptischen Popsongs, der in Kairo überall zu hören ist. Der Texter Shaaban Abdul Rehim hat aus dem Solidaritäts-Song für die Intifada eine Hymne an den ägyptischen Außenminister gemacht: Auch wegen seiner kritischen Äußerungen gegenüber Israel ist der eloquente und schlagfertige Mussa der beliebteste Politiker in der arabischen Welt. Allerdings hätte der Karrierediplomat einen solchen Satz wohl nie unterschrieben. Damit hätte er auch keine Chance mehr gehabt, seinen neuen Posten anzutreten: Mussa wird beim Arabischen Gipfel in Amman offiziell zum neuen Generalsekretär der Arabischen Liga ernannt.

Populär wurde Mussa 1994/95 mit seiner Kampagne gegen Israels Nuklearprogramm. Obwohl er zusammen mit Ägyptens Präsident Mubarak maßgeblich an der Gestaltung des Nahost-Friedensprozesses beteiligt war, hat Mussa stets die israelische Politik kritisiert. Seine Kritiker werfen ihm vor, dass er populistisch handele, indem er die anti-israelischen Gefühle der Bevölkerungen bediene und ihre Erwartungen steigere, ohne sie erfüllen zu können.

Der 1937 in Kairo geborene Mussa, der gleich nach dem Abschluss seines Jura-Studiums in der ägyptischen Hauptstadt ins Außenministerium ging, hat die klassische Diplomatenlaufbahn hinter sich: Er war Botschafter in der Schweiz, in Indien und bei den Vereinten Nationen, bevor er 1991 Außenminister wurde. In Ägypten wurde die Promotion Mussas zum Generalsekretär der Liga als "Schock" empfunden. Es ist kein Geheimnis, dass sein Ministerium das bestfunktionierende im Land der 1001 Bürokratien ist. Er hat es geschafft, das Außenministerium aufzuwerten und zu einem Machtzentrum zu machen, das an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt ist.

Was der Weggang Mussas für die ägyptische Außenpolitik bedeutet, ist noch unklar. Möglicherweise mehr Zurückhaltung im Nahost-Friedensprozess, andere fürchten größere Kompromissbereitschaft, genährt aus nationalem Interesse. Was Mussas Dienstbeginn in der Arabischen Liga bedeutet, ist ebenso noch unklar: Viele fürchten, dass sie Mussas Stimme und seine politischen Visionen zukünftig nicht mehr so klar wie sonst vernehmen werden.

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