Kultur : Arbeit für Arbeitslose: Was vom Beruf bleibt - Zumutungen für Jobsuchende, Teil I

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Akademiker aufs Feld?

Arbeitsamt: Wer Arbeit sucht, muss Wunschträume begraben, denn Berufsschutz bei der Arbeitsvermittlung gibt es nicht. Ein Job darf dem Gesetz nach nicht abgelehnt werden, nur weil er nicht Ausbildung und früherer Tätigkeit entspricht. Ein Trost: Das Profil des Bewerbers soll zur Stelle passen. "Aber nicht nachvollziehbar ist, wenn jemand keinen Schritt von seiner alten Tätigkeit abgehen will", sagt Heidrun Schulz vom Landesarbeitsamt (LAA) Stuttgart. Es habe schon Maler gegeben, die nur innen, nicht aber im Freien streichen wollten. "Auch einem Akademiker zeigen wir die ganze Breite des Arbeitsmarktes." Von der Universität zum Spargelfeld sei es trotzdem noch ein weiter Schritt und Erntearbeit nichts für ältere Leute.

Arbeitslose: Für sie klingt das unrealistisch. "Es gibt Jobsuchende, die trotz hoher Qualifikation jede Arbeit annehmen" sagt Marion Drögsler vom Landesverband der Arbeitslosen in Berlin. "Ihr Problem: Sie bekommen dann nur noch einfache Stellen angeboten." Dabei gehe es um Arbeit, nicht um Beschäftigungstherapie. "Hochschulabsolventen etwa sollte man nicht unterfordern wollen, da gehen viele psychisch kaputt", sagt Drögsler.

Jobs nur für Mobile

Arbeitsamt: Arbeitsämter können darauf pochen, dass Jobsuchende umziehen oder sich für einige Monate ein Zimmer nehmen. "Wenn einer Hund und Hühner zu versorgen hat, ist das kein wichtiger Grund für Widerspruch", sagt Wilhelm Hickstein vom Arbeitsamt Schwerin. "Etwas anderes sind etwa pflegebedürftige Eltern." Oft würden Jobs in anderen Bundesländern zunächst "ohne Sanktionsdruck" angeboten, denn was nütze es, wenn der neue Arbeitnehmer auf seinem Posten gleich mit einer Krankschreibung auftauche.

Arbeitslose: Ortswechsel sei kein Allheilmittel, sagt Marion Drögsler vom Arbeitslosen-Verband. "Schwierig ist allein schon die Anerkennung von Berufsabschlüssen, bei Lehrern zum Beispiel." Nach einem Umzug habe dann vielleicht ein Partner Arbeit, der andere seine verloren.

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