Kultur : Arbeitsamt-Reform: Auftrag für einen General der Tat

Stephan-Andreas Casdorff

Er hat etwas von einem Offizier an sich. Aber von einem modernen. Florian Gerster (52) kommt nicht schnarrend daher. Obwohl das jetzt so klingen mag: Beurteilung der Lage, Definition des strategischen Ziels und Entschluss - so handelt ein General der Tat. Und das auf dem Feld der Arbeits- und Sozialpolitik! In früheren Zeiten hätte man gesagt, Gerster hat den Marschallstab im Tornister. Ein Offizier - der Reserve - ist er zwar, sein Ton klingt aber anders. Jedenfalls in aller Öffentlichkeit. Argument schwach, Stimme heben, so erklären es Rhetoriker; danach hat Gerster, meistens, doch wohl ziemlich starke Argumente. Als studierter Psychologe (und Betriebswirt) weiß er um die Wirkung von Worten nur zu gut. Und wenn er es vergessen sollte: Seine Schwester, die ZDF-Moderatorin Petra Gerster, wird es ihm schon sagen.

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Hintergrund: Der Reformplan
Porträt: Florian Gerster
Umfrage: Sollen Arbeitsämter privatisiert werden? Das sind die Stationen seiner Karriere: Kommunalpolitik in Worms, seiner Heimatstadt, Landtagsarbeit (mit den Schwerpunkten Arbeit, Soziales und Gesundheit), danach Bundestag und wieder zurück in den Landtag. Anfang der neunziger Jahre wird er Staatsminister in Rheinland-Pfalz, geholt von Ministerpräsident Rudolf Scharping, zunächst für Europa und Bundesangelegenheiten, dann, unter Kurt Beck, für Arbeit und Soziales. Eine Karriere, die Florian Gerster auch machen wollte. Wenn er auch der herrschenden Meinung seiner Partei, der SPD, oft genug widersprochen hat - dennoch ist er aufgestiegen bis zum stellvertretenden Landesvorsitzenden.

Keine Frage, Gerster macht sich Gedanken. In der Sicherheitspolitik, seinem zweiten politischen Fachgebiet, ist er früh - 1992 - dafür eingetreten, im Grundgesetz nicht mehr zwischen Nato-Fall, Landesverteidigung, Blauhelm- oder Kampfeinsätzen zu unterscheiden. Sein Vorschlag: jeden Einsatz militärischer Streitkräfte an einen Beschluss in Bundestag und Bundesrat zu knüpfen. "Die linke Mitte heute", heißt ein beachtenswertes Buch, das er - dessen Vater FDP-Mitglied war - Ende der 80er Jahre mit herausgegeben hat; über die Armee der Zukunft hat Gerster geschrieben, die allgemeine Dienstpflicht, über "Gewinner und Verlierer im Sozialstaat" - auch schon 1997.

Das "Mainzer Modell" zur Arbeitsaufnahme im Niedriglohnbereich, das nun bundesweit ausgedehnt wird, ist auf Gerster zurückzuführen. Seither wird er als künftiger Arbeitsminister genannt. Die Gesundheitspolitik hat er sich vorgenommen - und wurde danach sofort als Nachfolger von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ins Gespräch gebracht. Dass Gerster in die Bundespolitik wechseln würde, galt als ausgemacht, ob als Minister für Gesundheit oder Arbeit. Auch als Scharping-Reserve ist er vor kurzem gehandelt worden. Gerster als Allzweckwaffe.

Jetzt wird er erstmal die Bundesanstalt für Arbeit führen und reformieren müssen. Ein schwieriger, aber lösbarer Auftrag für Florian Gerster, der außerdem noch zehn Jahre als freiberuflicher Personalberater gearbeit hat. Und nebenbei ist er ja auch Fachmann für die Konversion eines Heeres.

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