• Arbeitslosigkeit: Nicht auf einem Nenner. Arbeitgeber und Gewerkschaften - ihre Positionen zum Arbeitsmarkt

Kultur : Arbeitslosigkeit: Nicht auf einem Nenner. Arbeitgeber und Gewerkschaften - ihre Positionen zum Arbeitsmarkt

Carsten Brönstrup

Was die Arbeitgeber fordern: Für die Wirtschaft ist die Sache klar: Es gibt zu viele gesetzliche Regeln für den Arbeitsmarkt, die neue Stellen in den Unternehmen verhindern, finden die Verbände. "Arbeitnehmer sollten häufiger hintereinander und länger befristet beschäftigt werden dürfen", sagt Achim Dercks, Arbeitsmarkt-Experte beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Außerdem sollten die Beschäftigten die Bedingungen im Arbeitsvertrag freier verhandeln können - "etwa weniger Kündigungsschutz gegen Abfindungen", schlägt Dercks vor. Defizite sehen die Unternehmen auch in der Arbeitsmarktpolitik. Ein hohes Beschäftigungspotenzial liege im Niedriglohnsektor brach, also im Bereich zwischen netto 630 und 1500 Mark Monatseinkommen, sagt Dercks. Von der Einführung eines Kombilohns etwa, welchen der Staat subventioniert, könnten viele gering Qualifizierte profitieren. Sie müssten zudem mit einer besseren Bildungspolitik auf die immer höheren Anforderungen der Wirtschaft vorbereitet werden. Für gering Qualifizierte sei aber auch eine schnelle Regelung der Zuwanderung nötig. DIHK-Mann Dercks: "An den Jobs für Fachkräfte hängen immer auch Stellen für weniger Qualifizierte."

Was die Gewerkschaften fordern: Mit den Schlagworten Deregulierung und Flexibilisierung können die Vertreter der Arbeitnehmer nichts anfangen. "Es gibt in den Gesetzen und Tarifverträgen genügend Möglichkeiten, welche die Unternehmen aber längst nicht ausschöpfen. Da muss die Regierung nicht handeln", erklärt Wilhelm Adamy, Arbeitsmarkt-Fachmann beim Deutschen Gewerkschafts-Bund (DGB). Wichtiger sei es, mehr Geld für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen auszugeben, vor allem in den neuen Ländern, und auch ältere Arbeitnehmer jenseits der 50 weiter zu bilden. Der aktuelle Sparkurs in puncto Beschäftigungspolitik sei der falsche Weg, vor allem im kommenden Jahr, kritisiert Adamy. Um mehr Geld in die Kassen der Sozialversicherung zu bekommen, solle die rot-grüne Koalition die illegale Beschäftigung wirksamer bekämpfen. Außerdem dürfe es keine "kurzsichtige Beschäftigungspolitik der Unternehmen geben", sagt er. Wenn eine Firma einen Mitarbeiter entlassen wolle, solle sie ihn vorher qualifizieren müssen. Den Mangel an Arbeitsplätzen in den neuen Ländern will DGB-Fachmann Adamy überdies mit höheren Investitionen für die Infrastruktur bekämpfen.

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