Kultur : Arbeitsmarkt: Ein anderes Profil

lha/chv

Neue Arbeitsplätze haben die privaten Arbeitsvermittler mit Sicherheit geschaffen - ihre eigenen. Denn seit dieser neue Berufszweig 1994 zugelassen wurde, finden sich allerorten Büros, die im Auftrag von Unternehmen oder Arbeitssuchenden neue Beschäftigungsverhältnisse herbeiführen. "Im letzten Jahr haben unsere Mitglieder rund 150 000 Jobs vermittelt", sagt Sieglinde Schneider vom Bundesverband Personalvermittlung (BPV). "Und das waren zu 90 Prozent Vollzeitstellen. Genau das, was sich die Suchenden wünschen."

"Unsere Bewerber wollen, können und passen zu den Wünschen unserer Kunden", preist Manfred Brücks, Pressesprecher von Deutschlands zweitgrößtem privaten Arbeitsvermittler adecco, seine Erfolge an. Wenn die Kunden von adecco für ihre Firma eine neue Sekretärin suchen, rufen sie eine der 200 Filialen an. Von dort bekommen sie dann drei Vorschläge aus dem Pool der bei adecco gespeicherten Arbeitssuchenden, genau auf die Anforderungen der Firma zugeschnitten, vorgeschlagen. Im Unterschied zur Praxis auf den Arbeitsämtern erstellte adecco zuvor in zeitintensiven Gesprächen mit den Arbeitssuchenden ein Profil ihrer Fähigkeiten. Fremdsprachenkenntnisse, berufliche Erfahrungen und Referenzen werden genau aufgeführt. "Wir schicken nicht irgendwelche Leute hin, die eigentlich gar nicht wollen", sagt Brücks zudem. Dieser Service kostet. Eineinhalb bis zwei Monatsgehälter verlangt adecco von den Unternehmen für eine erfolgreiche Vermittlung. Für die Arbeitssuchenden - so schreibt es das Gesetz vor - bleibt die Vermittlung grunsätzlich kostenlos.

"Eigentlich", sagt Schneider, "machen Private und die Bundesanstalt für Arbeit das gleiche." Deshalb gebe es zwischen der Behörde und dem BPV - Beispiel Job-Aqtiv-Gesetz - auch Kooperationen. Dennoch bleiben Defizite: "Wir müssen in Zukunft noch schneller, effizienter und bedarfsgenauer zusammenarbeiten", sagt Schneider.

Die Problemfälle unter den Arbeitslosen übernehmen private Vermittler selten bis gar nicht. "In der Regel sind das Leute, die aktiv agieren", argumentiert Schneider. Auch Brücks räumt ein, dass adecco eine Vorauswahl trifft: Der Beruf und die Fähigkeiten des Arbeitslosen müssen gefragt sein. Er sehe bei Buchhändlern oder Bankangestellten im Augenblick schwarz. Aber in den letzten Jahren vermittelte adecco einige Lehrer ohne Einstellungschancen auf den Schuldienst in andere Berufe.

Ein weiterer Faktor trägt zum Erfolg von adecco bei - die Zeitarbeit. "Zwar ist im Unternehmen oft ein normaler Arbeitsplatz zu besetzen", führt Brücks aus. Aber über die Zeitarbeit können Unternehmer und Arbeitnehmer sich unverbindlich kennen lernen, ob sie fachlich und menschlich zusammenpassen. "Eben schauen, ob die Chemie stimmt." Mit einer Mischung aus Bedauern und Stolz erzählt Brücks, dass "30 bis 40 Prozent unserer Leute aus dem Zeitarbeitsbereich von unseren Kunden abgeworben werden, sprich sie erhalten einen festen Arbeitsvertrag".

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