ARCHÄOLOGIEKönigsgräber der Skythen : Das Gold der stolzen Reiter

Christina Tilmann

Die Ausstellung wäre auch eine Sensation, wenn ihr Erfinder, der Archäologe Hermann Parzinger, nicht gerade vor drei Wochen zum künftigen Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gewählt worden wäre. So kann der Neue nun seinen Einstand geben mit einer Ausstellung über Grabungen, die ihm in den letzten Jahren international Meriten verschafften – und die ebenso für eine Neuorientierung der Archäologie wie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gelesen werden kann.

Die Skythen waren ein Reitervolk des 8. bis 3. vorchristlichen Jahrhunderts, über das man wenig weiß, außer dass Herodot über ein Land der „goldhütenden Greifen“ geschrieben hatte. Die Grabungen im Süden Sibiriens, die das Deutsche Archäologische Institut unter Parzinger in den Jahren 2000 bis 2003 gemeinsam mit der Eremitage St. Petersburg durchführte, förderten im „Tal der Könige“ von Arzan einen Grabhügel zutage, der wegen seiner reichen Goldschätze mit dem Grab des Tutenchamun verglichen wird. Diese Schätze werden nun in Berlin ebenso zu sehen sein wie hervorragend erhaltene Kleidungsstücke, Pferdeschmuck – und jene tätowierten Mumien, für die die Skythen bekannt sind. Ein Kongress vom 5. bis 7. Juli wird neue Erkenntnisse zum antiken Reitervolk präsentieren, mit Wissenschaftlern aus elf Ländern. Denn die Ausstellung ist auch Zeichen verstärkter Zusammenarbeit mit Russland und anderen osteuropäischen Ländern. Parzinger, der fließend Russisch, Türkisch und Serbokroatisch spricht, wirkt als guter Botschafter seines Landes. Eigenschaften, die er auch für seine künftige Position brauchen wird. Christina Tilmann

Martin-Gropius-Bau, Fr 6.7. bis Mo 1.10.,

tägl. 10-20 Uhr, 10 €, erm. 5 €

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben