• Architekt des Stelenfeldes kommt ohne Pläne für den zusätzlichen "Ort der Information" nach Berlin

Kultur : Architekt des Stelenfeldes kommt ohne Pläne für den zusätzlichen "Ort der Information" nach Berlin

Robert Rimscha

Mit einer Fertigstellung des Holocaust-Mahnmals in Berlin bis zum angepeilten Datum 27. Januar 2002 ist nicht zu rechnen. "Wir brauchen wohl zwei Jahre vom Beginn bis zum Ende der Umsetzung", sagte der Architekt des "Mahnmals für die ermordeten Juden Europas", der Amerikaner Peter Eisenman, dem Tagesspiegel. Es gebe aber "noch keinerlei Entwürfe oder Zeichnungen" für den geplanten "Ort der Information", der das eigentliche Mahnmal ergänzen soll. Deshalb sei eine Fertigstellung bis zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in zwei Jahren "sehr fraglich".

Am Donnerstag wird in einem symbolischen Akt der Wille zum Bau des Mahnmals unmittelbar neben dem Brandenburger Tor bekräftigt. Eisenman reist für die Zeremonie nach Berlin. Seit seiner letzten Überarbeitung des Entwurfes habe es "keinerlei Änderungen" gegeben, sagte er. "Es bleibt bei den 2700 Steinstelen und dem Ort der Information." In Berlin habe er nichts Neues zu präsentieren, da "die Art des Erinnerungs-Hauses noch nicht diskutiert" worden sei.

Eisenman sagte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass er "sehr froh und voller Hoffnung" sei, dass man "nun zu einem Erfolg komme". Auf die Frage, worin er gegenwärtig seine Aufgabe sehe, meinte der New Yorker Architekt: "Meine einzige Rolle ist es derzeit, die Autonomie dieses künstlerischen Projekts zu verteidigen. Ich glaube, alle Beteiligten respektieren dies. Immerhin geht es um meine Integrität und um die des Bundestages." Das Parlament hatte im Sommer 1999 für den Bau des Eisenman-Entwurfes votiert.

Eisenman sagte, ein offizieller Kontakt mit dem Kuratorium stehe noch aus. Das Kuratorium war Ende vergangenen Jahres eingesetzt worden, um die Umsetzung des Bundestags-Beschlusses in die Wege zu leiten. Es setzt sich aus Vertretern der drei Auslober - Bund, Land Berlin und Förderkreis - zusammen. Eisenman will am Donnerstag bei dem Festakt eine dreiminütige Rede halten, deren Inhalt mit dem Kuratorium unter Vorsitz von Bundestagspräsident Thierse abgestimmt wird. Der Architekt wird dann nach Dresden und Zürich weiterreisen.

Der lange vor allem als Architektur-Theoretiker hervorgetretene Eisenman hatte sich in der Vergangenheit mehrfach über das Zuständigkeitswirrwarr beim Holocaust-Mahnmal beschwert und die Auslober aufgefordert, ihm endlich klare vertragliche Vorgaben zu machen. Noch im Juni 1998 hatte Eisenman mit einer raschen Entscheidung und mit Detailplanungen während der zweiten Jahreshälfte 1998 gerechnet. "Dann folgt ein Jahr Bauen: Januar 1999 bis Januar 2000", hatte Eisenman damals dem Tagesspiegel gesagt. Noch im Februar 1999 hatte Peter Eisenman gehofft: "Zum Ende des Sommers sollten wir eine Entscheidung haben. Anfang 2000 könnten wir mit dem Bau beginnen. Bei ungefähr 18 Monaten Bauzeit könnte das Projekt Ende 2001 fertig sein."

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