ARCHITEKT, LEHRER, KÜNSTLERHans Poelzig : Wiederkehr der Lichthöhle

Nicola Kuhn

Vermutlich gehört die Innenansicht von Hans Poelzigs Großem Schauspielhaus in Berlin (Foto) zu seinen meist publizierten Werken, dabei steht das 1918-19 entstandene Gebäude nicht einmal mehr. In Berlin ist sein Schaffen nur noch am Messegelände, dem Haus des Rundfunks, am Kino Babylon und der Wohnbebauung rund um den heutigen Rosa-Luxemburg-Platz abzulesen. Sein Beitrag als Gestalter von Stummfilmsets ist ebenfalls kaum zu fassen. Die Akademie der Künste widmet deshalb ihrem langjährigen Mitglied und zeitweiligen Vizepräsidenten eine Werkschau, die den Architekten und Künstler würdigt. Erstmals seit 1919 ist sein malerisches Oeuvre zu sehen.

Die Kuratoren Wolfgang Pehnt und Matthias Schirren versuchen zugleich den Hochschullehrer zu präsentieren, der eine ganze Generation Architekten prägte. So lehrte Poelzig zwischen 1899 und 1935 erst in Breslau, dann in Dresden und Berlin. Zugleich engagierte er sich politisch als Mitglied der Novembergruppe und im Arbeiter- und Soldatenrat für die Kunst. 1919 bis 1921 übernahm er den Vorsitz des Deutschen Werkbundes. Angesichts dieser Aktivitäten jenseits des eigenen Schaffens beeindruckt der Reichtum seines Nachlasses, das gewaltige Konvolut an Zeichnungen, Plänen, Ölgemälden, Fotografien, Filmausschnitten, Dokumenten und Modellen, die nun ausgebreitet werden. Darunter auch Dokumente zum Großen Schauspielhaus. Der gestalterische Einsatz von farbigem Licht und der höhlenartige Eindruck durch die stalaktitenförmige Verkleidung aber hat längst seine Wiederkehr in so manchem Berliner Club gefeiert. Nicola Kuhn

Akademie der Künste, Hanseatenweg, So 14. 10., bis So 6. 1.08, 6 €, erm. 4 €

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