Architektur im Film : Seelenorte

Studenten filmen Architektur: 15 Kurzfilme ergänzen das Programm der "Kultur:Stadt"-Ausstellung in der Berliner Akademie der Künste.

Jennifer Lynn Erdelmeier
Extravagant. Szene aus dem Film „Plaza de la Encarnación“ über einen futuristischen Sonnenschirm im spanischen Sevilla.
Extravagant. Szene aus dem Film „Plaza de la Encarnación“ über einen futuristischen Sonnenschirm im spanischen Sevilla.Foto: Polina Gumiela

Geflüsterte Gedanken schwirren durch das Gebäude. Auch bei Nacht schläft es nicht. Bücher schreien, Papierstapel fliegen durch die Luft, Stühle quietschen. Die Bibliothek ist ein Container voller Texte und Gedanken. Günther Frankes Film „Grimm“ zeigt die neue Zentralbibliothek der Humboldt-Universität. Es ist einer der 15 Kurzfilme über Kulturbauten, die die Ausstellung „Kultur:Stadt“ begleiten – als Ergebnis des Seminars „Architektur im Film“, das Jan Schütte, Direktor der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB), und die beiden Kuratoren, Matthias Sauerbruch und Wilfried Wang, im Vorfeld der Schau veranstaltet haben.

„Public Library“ zeigt die Seattle Central Library weniger abstrakt. Regisseur Cyril Schäublin begleitet drei Obdachlose, die dort Zuflucht finden. Der öffentliche Ort ist zu ihrem Zuhause geworden, hier gibt es Ruhe und Wärme und sie können sich von den Strapazen des Straßenlebens erholen.

„Plaza de la Encarnación“ von Polina Gumiela und „Guangzhou“ von Simona Feldman befassen sich beide mit der Auswirkung, die extravagante Architektur auf Menschen und ihr Umfeld hat. Der Metropol Parasol ist eine futuristisches hölzernes Sonnendach auf der Plaza de la Encarnación in der Altstadt Sevillas, die bei den Bewohnern gemischte Gefühle hervorruft. Die einen profitieren von den Architektur-Touristen, die anderen finden das Bauwerk befremdlich. Auch Zaha Hadids Opernhaus in Guangzhou liegt wie ein amorpher Fremdkörper im Finanzbezirk. Obwohl Prestigeobjekt, bröckeln die Mauern bereits nach einem Jahr. Das Gebäude ist zu einer Hülle ohne Inhalt geworden. „Auf der anderen Seite der Welt“, heißt es, „zerbricht alles, was nicht genügend Bedeutung erhält.“ Die Filme sind abstrakt, skurril oder melancholisch, doch sie haben eins gemein: Immer ist es der Mensch, der den spektakulären Orten Seele verleiht. Jennifer Lynn Erdelmeier

Die Filme sind parallel zu der Ausstellung „Kultur:Stadt“ in der Akademie der Künste am Hanseatenweg zu sehen.

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