Architektur : Kampf den Klimaanlagen

In Irland sind die Architekten Bucholz und McEvoy bekannt für umweltschonendes Bauen. Nun eröffnen sie ein Büro in Berlin.

Urte Schmidt

Angenehm kühl ist es an diesem Sommertag im Gartenhaus, einer alten Industrieremise in einem typischen Berliner Hinterhof. Elegante dunkle Arbeitstische stehen in einer Achse, darüber hängt eine Aluminium-Holzkonstruktion, die Raum schafft für die wesentlichen Elemente im Arbeitsalltag der Architekten: Modelle, Zeichnungen, Beleuchtung, Strom und Datenleitungen. Sie werden ständig gebraucht, sollen aber nicht im Weg sein, und so bleibt der Marmorfußboden frei von Kabeln. Eine Tür führt zur Treppe in das Loft, das Merrit Bucholz und Karen McEvoy als Wohnraum dient. Der Amerikaner und die Irin sind beruflich und privat ein Paar und haben nun mit Annette Wolpert als Teilhaberin in Prenzlauer Berg einen neuen Arbeitsort gefunden.

Kennengelernt haben sich die Bürogründer in New York bei Emilio Ambasz. Dort arbeiteten sie gemeinsam mit Industriedesignern und Grafikern: „In diesem Büro konnte es vorkommen, dass gleichzeitig eine Zahnbürste und eine neue Stadt entworfen wurden.“ Auch im neuen Werkraum stammen die meisten Möbel von ihnen, entwickelt in enger Zusammenarbeit mit Handwerkern. Der Arbeitstisch etwa ist speziell für das Berliner Büro entworfen und nun in der Ausstellung „High Quality – Low Energy Design“ im Deutschen Architektur Zentrum zu sehen. Mit „Elm Park Development“, einer kompakten Stadt am Rande Dublins, stellen sie dort ihr bisher größtes Projekt vor.

In Dublin, Karen McEvoys Heimatstadt, machten sie sich vor zehn Jahren selbständig. Bucholz war gerade 30 geworden, als sie 1996 den Wettbewerb für ein lokales Regierungsgebäude gewannen. Der Wirtschaftsaufschwung im lange sehr armen Irland hatte begonnen – das Fingal County Council sollte Offenheit und Transparenz verkörpern. „Städtische Verwaltung war den Iren vollkommen neu“, erzählt Bucholz. Ein fünfgeschossiger, konkav geschwungener Eingangsbau weicht respektvoll zurück vor einer Baumgruppe, einer eindrucksvollen Zeder und einigen alten Eichen und öffnet sich mit einer riesigen, rahmenlosen Verglasung, die die Erschließungshalle mit Tageslicht durchflutet. An der Rückseite schließen drei quaderförmige Baukörper mit offenen Arbeitsbereichen an. Klimaanlagen halten die Architekten für überflüssig, sie kombinierten Belüftungssysteme mit von Hand zu öffnenden Fenstern, um dem Anspruch an minimierten Energiebedarf gerecht zu werden.

Das Gebäude, für das sie 2001 den Architekturpreis des Royal Institute of Architects in Ireland erhielten, war der Startschuss für ihre Karriere auf der Insel, wo sie mittlerweile über 20 Projekte realisiert haben und 23 Angestellte beschäftigen. Auch Annette Wolpert gehörte bis vor kurzem dazu. Vor vier Jahren kam sie nach Irland, als in Deutschland die Baubranche am Boden lag, und blieb viel länger als geplant. Seit ihre zweite Tochter geboren wurde, wollte sie jedoch zurück nach Berlin. Da traf es sich, dass Bucholz ein Jahr zuvor Räume in der Lottumstraße erworben hatte. Wolpert schlug eine Berliner Dependance vor, Buchholz hatte die Idee einer Büropartnerschaft. „Berlin ist big, aber gemütlich“, findet er und freut sich, dass ihn der Ladenbesitzer, bei dem er ein paar Mal Kaffee geholt hat, schon beim Namen kennt. Auf strikte Arbeitsteilung verzichten die beiden Bürogründer und ihre neue Partnerin. „Wir streiten sehr viel“, stellen sie lächelnd fest.

Der Hinterhof des neu gestalteten Gartenhauses ist ein idyllisches Refugium. Umgeben von hohen Mauern aus abgestuften alten Ziegeln schufen die Architekten ihre neue Ordnung. Die vorhandenen Kopfsteine fassten sie in Cortenstahl und bildeten terrassenartige, sanft ansteigende Stufen. Auf die unteren scheint die Sonne morgens, auf die oberste abends.

Deutsches Architektur Zentrum, bis 24. August, Mo-Fr 9-19 Uhr; Eintritt frei.

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