Architektur : Schweben lernen

Die Modelle demonstrieren, wie grundsätzlich sich das Bauen gewandelt hat. Nicht für die Ewigkeit: Moderne Pavillons im Architekturmuseum Frankfurt/Main

Christian Huther

Es wäre ein würdiges Jubiläum der Eröffnung des Hauses vor 25 Jahren gewesen. Das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main plante für den Sommer 2009 einen Pavillon im benachbarten Park des Museums für Angewandte Kunst. Ein 25 mal 20 Meter großer und sechs Meter hoher Pavillon aus gebogenen Stahlröhren, so geschickt verschattet und belüftet, dass trotz transparenter Polycarbonat-Schindeln kein Hitzestau entstanden wäre. Ein fliegender Bau für drei Monate, ohne Klimaanlage und mit Photovoltaik-Scheiben ausgestattet.

Erfahrene Architekten und Ingenieure (Barkow Leibinger aus Berlin und Werner Sobek aus Stuttgart) entwickelten und erprobten ihre Ideen ohne Aussicht auf Honorare, auch etliche Baufirmen versprachen unentgeltliche Materialien und Arbeit. So weit die Pläne, bis im letzten Herbst angesichts der Finanzkrise wichtige Sponsoren absprangen. DAMChef Peter Cachola Schmal macht das Beste daraus: Er stellt in einer Schau das geplatzte Projekt vor und lässt zugleich Architekturstudenten der Städelschule knapp 20 Pavillons aus den vergangenen 80 Jahren im Modell nachbauen.

Die Modelle demonstrieren, wie grundsätzlich sich das Bauen gerade bei Pavillons gewandelt hat. Als Mies van der Rohe 1929 den berühmten BarcelonaPavillon errichtete, galt noch sein Leitspruch, dass ein Gebäude Knochen und Haut benötige. Heute sind Träger und Hülle eins, wie sich etwa an Toyo Itos Londoner Serpentine-Pavillon von 2002 erweist. Die Box wurde so geschickt mit einem Netzwerk von Stahlstäben versteift, dass sie sich selbst trägt, ohne Stützen.

Das Architekturbüro Barkow Leibinger stellt seinen kühnen Bau im Schwäbischen vor, dessen 32 Meter langes Dach atemberaubende 20 Meter frei im Raum schwebt. Der Trick besteht darin, Materialien und Strukturen auf der tragenden Seite etwas kräftiger zu machen und auf der schwebenden Seite dafür auszudünnen. Mit ähnlichen Ideen experimentierte man auch für Frankfurt und erfand für den geplanten DAMPavillon sogar reptilienartig sich windende Stahlröhren, denen es nur an der nötigen Versteifung und Tragfestigkeit mangelte. Doch im Praxistest scheitern so manche Pavillons. Sie sind nicht für die Ewigkeit gebaut, sondern bieten die Chance, neue Ideen zu erproben.

Frankfurt am Main, Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 43, bis 20. September. Katalog 24,80 €.

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