Architektur : Stadt, Land, Schloss

Das Stadtschloss soll wiederkehren, "als ob es immer dagewesen" sei. Architekt Franco Stella spricht in Berlin.

Bernhard Schulz

Sein Deutsch ist nicht durchweg verständlich, die Botschaft dennoch klar: Nirgendwo sonst in Europa sei die Entwicklung von Schloss und Stadt so eng verwoben wie in Berlin. Franco Stella, der im Schloss-Wettbewerb siegreiche Architekt aus Vicenza, zeigt sich bei seinem ersten (halb-)öffentlichen Auftritt in der Italienischen Botschaft in Berlin mit der Geschichte verschwistert. Der römische Barock, der für Schloss-Baumeister Andreas Schlüter rund um 1700 vorbildlich war, gehört für den Italiener Stella zum selbstverständlichen Rüstzeug seines Metiers.

Vor dem Schlossbau war Berlin eine Stadt an der Peripherie des Reichs. Mit dem Schloss stieg es zu europäischem Rang auf. Zugleich beharrt Stella auf dem „Weiterbauen“ innerhalb der vorgegebenen Barockfassaden. Als Kronzeugen für das erneuernde Bauen aus der Tradition heraus kann er Andrea Palladio, das Baugenie seiner Heimatstadt Vicenza, und dessen preußischen Nachfahren Karl Friedrich Schinkel heranziehen. Man müsse zugleich „modern antik“ und „antikisch modern“ sein, zitierte er Palladio.

Was das genau heißt, wird die Ausführungsplanung zeigen, die Stella nicht allein bewältigen wird. Dass der im Berliner Museumsbauwesen erfahrene Architekt Christoph Sattler in der ersten Reihe sitzt, ist kein Zufall: Man wird kooperieren. Zu einer Diskussion unter den weiteren Referenten kommt es nicht an diesem Abend: Wilhelm von Boddien freut sich einmal mehr, dass sein Schlosstraum nach 17 Jahren Lobbyarbeit Realität zu werden verspricht. Der Publizist Klaus Hartung hofft, dass Ost und West sich im Zeichen des Schlosses endlich verbinden, eine seltsam retrospektive Haltung zwanzig Jahre nach dem Mauerfall. Hans-Ulrich Kessler von den Staatlichen Museen doziert über Schlüters Bildungsreise 1696 nach Rom. Davon wird man kaum Erkenntnisse für den Schloss-Neubau gewinnen können, aber doch den historischen Kontext besser verstehen. Das Schloss, so Stella, soll wiederkehren, „als ob es immer dagewesen“ sei. Ob das materiell oder doch eher metaphorisch gemeint ist? Stella jedenfalls bürgt für jenes Maß an Italianità, das schon Schlüter im Bemühen um römische Größe beflügelt hat. 

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