• Architekturzeichnungen von Lebbeus Woods in Berlin: Das Unbehagen an der verbauten Welt

Architekturzeichnungen von Lebbeus Woods in Berlin : Das Unbehagen an der verbauten Welt

Lebbeus Woods wagte mit seinen Architekturzeichnungen Fantasien zukünftiger Städte à la "Metropolis". Seine Blätter sind nun in einer Berliner Ausstellung zu sehen.

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Seinen Weg hat Lebbeus Woods (1940–2012) kompromisslos verfolgt. Zum Architekten ausgebildet, ergriff er den Beruf schließlich doch nicht, sondern verlegte sich auf die Theorie – und aufs Zeichnen. Seine Blätter, meist nur durch Abbildungen bekannt, sind nun in einer Ausstellung im Museum für Architekturzeichnung am Pfefferberg zu sehen. Woods, der in seiner Heimatstadt New York an der Cooper Union School lehrte, trat seit den sechziger Jahren mit Fantasien zukünftiger Städte hervor, mit Ausblicken in eine Zukunft, die eher die Ängste der Gegenwart spiegelt. Sie erinnern in dieser Hinsicht an den Film „Metropolis“, und tatsächlich entwarf Woods einmal Räume für einen dann doch nicht gedrehten Science-Fiction-Film.

Die Blätter der Serie „Centricity“ (1987/88) deuten Aufbauten von Kriegsschiffen an, ja, die elegant schwingenden, herabhängenden Seile lassen an Momente von Piranesis berühmten „Carceri“ denken. Dann wieder sind Flugmaschinen zu sehen, die niemals würden fliegen können, sollten die Gesetze der Aerodynamik in der Zukunft fortgelten. Die Arbeiten der Reihe „Region M“ hingegen sind durch kleine Staffagefiguren belebt, die sich bisweilen wie in einem Bühnenprospekt bewegen und zumindest eine Ahnung von den erdachten, erträumten Größenverhältnissen geben.

Woods Unbehagen an der verbauten Welt

Woods ging es nie um einen architektonischen Entwurf als Anleitung zum Bauen. Seine Blätter, meist Tusche auf Transparentpapier, auf Karton aufgezogen, evozieren vielmehr Stimmungen, insbesondere Unbehagen an der gebauten, verbauten Umwelt. Jedenfalls war Woods ein brillanter Zeichner. Man hätte sich von ihm, der zu Beginn seiner Berufslaufbahn bei Eero Saarinen und Kevin Roche gearbeitet hat, gebaute Häuser gewünscht. Ein einziges nur hat er verwirklicht: den „Lichtpavillon“ im chinesischen Chengdu.

Museum für Architekturzeichnung, Christinenstr. 18a (Pfefferberg), bis 3.Oktober, Mo–Fr 15–19 Uhr, Sa/So 13–17 Uhr

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