Argerich und Abbado : Stiller Wagemut

Zu Ostern 2013 spielten die Pianistin Martha Argerich und der Dirigent Claudio Abbado gemeinsam zwei Klavierkonzerte von Mozart ein. Durch Abbados Tod wurde die Aufnahme aus Luzern nun zum letzten Dokument einer langen, wunderbaren Künstlerfreundschaft.

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Martha Argerich und Claudio Abbado
Martha Argerich und Claudio AbbadoFoto: Universal

Diese Aufnahme sollte hörbar kein letztes Wort sein. Doch da sie nun nach dem Tod von Claudio Abbado erscheint, wird sie postwendend seinem Vermächtnis zugeschlagen. Zwei letzte Produktionen des Maestro werden folgen, die Konzerte des vergangenen Sommers in Luzern: Schuberts "Unvollendete" und ein finaler Bruckner. Zunächst aber Mozart, ebenfalls live in Luzern, aufgezeichnet zu Ostern 2013. Abbado trifft hier auf Martha Argerich, mit der er vor beinahe einem halben Jahrhundert erstmals vor Mikrofone trat.

Es ist ein Segen, dass man die beiden nicht sehen muss, um ihren Klang erleben zu können. So gleiten alle mitgeschleppten Vorstellungen von der unbezähmbaren Latina und dem vergeistigten Claudio von der Musik ab – sie würden auch nur auf die falsche Fährte führen. Denn was den bestens vertrauten Musikerfreunden und dem Orchestra Mozart mit den Klavierkonzerten Nr. 25 in C-Dur und Nr. 20 in d-moll gelingt, ist eine Fülle, die sich erst nach und nach öffnet. Selten wird man intensiver dafür belohnt, eine CD immer wieder zu hören. Das liegt nicht daran, dass sie in allen Details perfekt wäre. Doch geht von ihr eine ganz und gar unwiderstehliche Neugier aus – mit der Geistesstärke, die Dinge offen zu lassen. Das Gespann Abbado-Argerich ergänzt sich traumwandlerisch darin, einander der Musik auszusetzen, ohne den nur allzu gut vorgekerbten Wegen dann auch folgen zu müssen.

Das entfacht bei Mozart besonders nachhaltige Wirkung, gerade weil Offensichtliches einfach unterspielt wird: die Pracht des C-Dur ebenso wie der den Don Giovanni vorwegnehmende Todessturz in d-moll. Mozart wird zum Medium des Übergangs, eines gemeinsam über Grenzen hinaus Spürens, ein Seismograph. Es erscheint nur folgerichtig, dass Claudio Abbado seinen stillen Wagemut nur noch mit Freunden auf dem Podium teilen mochte. Ihm und der furchtlosen Martha Argerich dabei folgen zu dürfen, durch Mozart-Fragen, Mozart-Volten, Mozart-Erstaunen, lädt diese Aufnahme vielfach ein. Eine Grabplatte ist das nicht. So etwas nennt man wohl: ein Geschenk. Ulrich Amling

Erschienen bei Deutsche Grammophon.

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