Kultur : Arm und reich

Elmar Weingarten leitet Hauptstadtkulturfonds

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Neuer Kurator des Hauptstadtkulturfonds (HKF) wird Elmar Weingarten. Der bisher vor allem im Musikbereich tätige Kulturmanager, Jahrgang 1942, über- nimmt das Amt am 1. Mai, sein Vertrag läuft über zwei Jahre. Weingarten ist Nachfolger von Adrienne Goehler. Die frühere Berliner Kultursenatorin war vier Jahre lang HKF-Kuratorin. Sie hat der Kultur in Berlin viele neue Impulse gegeben, außerhalb der etablierten Wege. Vor allem der zeitgenössische Tanz profitiert derzeit vom Engagement des HKF. Sein Etat für 2006 beläuft sich auf 10,2 Millionen Euro. Seit der Gründung 1999 hat der Fonds über 800 Projekte in allen künstlerischen Bereichen mit rund 70 Millionen Euro gefördert.

Elmar Weingarten war bereits in den Jahren 2002/03 als Juror für den HKF tätig. Zu seinen früheren Stationen gehören die Berliner Festspiele, das Radio-Symphonie-Orchester Berlin und die Berliner Philharmoniker, deren Intendant er von 1995 bis 2001 war. Danach war Weingarten Geschäftsführer der Deutschen Ensemble Akademie und des Ensemble Modern in Frankfurt.

Laut Satzung fördert der HKF aus Bundesmitteln „Einzelprojekte und Veranstaltungen, die für die Bundeshauptstadt Berlin bedeutsam sind und nationale und internationale Ausstrahlung haben“, momentan etwa die China-Reihe im Haus der Kulturen der Welt. Politisch umstritten waren die so genannte RAF-Ausstellung in den Berliner Kunstwerken und die Zwischennutzung des Palastes der Republik. Mit der Berufung von Weingarten ist nun der Bestand des HKF zunächst gesichert. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) scheint auch über 2007 hinaus am HKF als Förderinstrument festhalten zu wollen. Unklar ist weiterhin, ob und in welchem Umfang HKF-Mittel in den Martin-Gropius-Bau fließen sollen.

Zu ihrem Abschied hat Adrienne Goehler ein Buch vorgelegt („Verflüssigungen – Wege und Umwege vom Sozialstaat zur Kulturgesellschaft“, Campus Verlag, 280 Seiten, 24,90 Euro). „In Berlin, der Hauptstadt, der armen, der schönen, die so tief in der Schuldenfalle sitzt und reich nur an kreativen Potenzialen ist, bricht sich die Bundesrepublik am radikalsten“, schreibt Goehler. Der Hauptstadtkulturfonds ist für sie Instrument der Zukunft und Transformation.R. S.

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