Armin Mueller-Stahl zum 80. Geburtstag : Ein echter Herr

Einer der größten deutschen Schauspieler feiert am Freitag den 17. Dezember einen runden Geburtstag: Armin Mueller-Stahl wird 80 Jahre alt. Der Tagesspiegel wirft einen Blick zurück auf eine großartige Karriere mit zahlreichen außergewöhnlichen Filmrollen einer besonderen Persönlichkeit.

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Armin Mueller-Stahl als Konsul Jean Buddenbrook, zu sehen am 27. Dezember (20.15 Uhr) in der ARD. Foto: WDR
Armin Mueller-Stahl als Konsul Jean Buddenbrook, zu sehen am 27. Dezember (20.15 Uhr) in der ARD. Foto: WDRFoto: Bavaria Film GmbH/Stefan Falke

Neuerdings macht er sich sogar ein bisschen lustig über das für ihn wohl Wichtigste seines Metiers: das Filmemachen. Reichlich öde sei zum Beispiel das ewige Warten im Wohnwagen, bis man am Set an der Reihe ist, sagte er in einem der zahlreichen Interviews der letzten Jahre, und irgendwie sei er erleichtert, dass das mit dem Drehen nun weniger geworden sei: „Ich muss nicht mehr nachts um zwei aufstehen, um bei einem Sonnenaufgang zu drehen, der dann nie im Film auftaucht.“

Aber lieben tut er es doch, das Leben im und für den Film, und das Dabeisein in den richtig großen Produktionen – mögen seine Rollen zuletzt in den „Buddenbrooks“, „Illuminati“ oder „The International“ auch nicht mehr die allergrößten gewesen sein. Und durchaus empfindlich zeigte er sich, als eine Zeitung vor ein paar Jahren seine Ankündigung, das Arbeiten vor der Kamera „langsam auslaufen zu lassen“, stracks als Abschied von jetzt auf sofort missverstand. „Großmimentum“ warfen ihm diese Jungschnösel vor, nur weil er, ein echter Preuße aus vormals deutschem Nordosten, noch ein paar Aufträge erfüllte. Also wirklich!

Nein, Armin Mueller-Stahl lässt sich von niemandem irgendwas vorschreiben – und wenn man genau hinsieht auf die acht Lebensjahrzehnte, die sich am heutigen Freitag runden, hat er fast immer sein eigenes Ding gemacht. Schon in der DDR, wo der mehrfach zum beliebtesten Staatsschauspieler Gekürte dem Stasi-Chef Mielke den Bruderkuss verweigerte und erst 1979 nach Jahren des Kaltgestelltseins raus durfte. Oder im reichen Westen, wo er trotz Geldnot auf lukrative Serien-Identitäten als „Der Alte“ oder „Schwarzwaldklinik“-Chef verzichtete. Auch in seiner Wahlheimat Amerika wählte er seit den späten achtziger Jahren seine Rollen meist umsichtig aus. Und dann kam der Weltruhm.

In der Heimat gilt der in Tilsit geborene Sohn eines Bankkassierers, der seinen Allerweltsnachnamen stählern veredelte, spätestens seit der noblen Verkörperung des Thomas Mann in Heinrich Breloers TV-Film „Die Manns“ (2002) als adlige Erscheinung aus der besseren alten Zeit. Soigniert, kultiviert, multitalentiert, ein deutscher Schauspieler, mit dem man in der Welt Staat machen kann: In dieser seiner „Lebensrolle“ (Mueller-Stahl) schmelzen Person und Persona zusammen. Dass er nicht nur Film kann, sondern auch Theater, dass er nicht nur ausgebildeter Konzertgeiger ist, sondern auch schreibt und seit jeher malt, wovon er erst in jüngerer Zeit vorsichtig – und erfolgreich – Aufhebens machte: Wen wollte das überraschen angesichts einer in nahezu allen Rollen glänzenden Erscheinung?

Ein echter Herr, ein Denkmal fast, zu Lebzeiten schon: Darüber lächelt Mueller-Stahl nicht ganz ungeschmeichelt hinweg. Die abgründigen Figuren seines Filmschaffens sind ihm besonders gelungen: das liebenswürdige, leidgeprüfte oder bloß kalte Scheusal etwa, das er in Filmen wie István Szabós „Oberst Redl“, in Costa-Gavras’ „Music Box“, Agnieszka Hollands „Bittere Ernte“ oder Scott Hicks’ „Shine“ verkörpert: allesamt Männer, die ein historisches Täter- oder Opfergeheimnis mit sich herumtragen und daran zugrunde gehen. Oder die lächerliche Fratze des 103 Jahre alten Hitler, die er im einzigen Film unter eigener Regie verkörpert, „Gespräch mit dem Biest“ (1996). Oder, vielleicht allen voran, der clowneske New Yorker Taxifahrer mit teutonischem Migrationsvordergrund in Jim Jarmuschs „Night on Earth“: Das sind Rollen für immer.

„Weder hochmütig noch demütig“: So nennt Volker Skierka das Erfolgsrezept des Jubilars in „Armin Mueller-Stahl. Die Biografie“ (Verlag Langen/Müller, 255 S., 19,95 €), die er soeben geburtstagshalber aktualisierte. Stattdessen in der Tiefe des Wesens heiter und hintersinnig: So kann einer „unser Mann in Hollywood“ werden, auch auf Dauer. Armin Mueller-Stahls wildester Scherz dürfte übrigens der One-Liner sein, mit dem er Gabriele Scholz einst die Ehe antrug – die beiden sind seit 37 Jahren glücklich miteinander verheiratet: „Willst du meine Witwe werden?“ Ach, das mit der Witwe hat noch lange Zeit.

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