Kultur : Arno Mohr: Blume Berlin

Mit Arno Mohr ist in der vergangenen Woche einer der bekanntesten ostdeutschen Zeichner im Alter von neunzig Jahren verstorben. Dies wurde erst jetzt bekannt: Die Beisetzung hatte im engsten Familienkreis auf dem französisch-reformierten Friedhof in Berlin stattgefunden. Dort liegt der gebürtige Posener nun unweit von Theodor Fontane begraben, mit dem er die Neugier auf Berlin und dessen märkische Umgebung gemeinsam hatte. Der unbestechliche Blick des Spätimpressionisten galt dem Beiläufigen: Spreeanglern und Parkbesuchern, schwimmende Enten und Blumen auf dem Fensterbrett. Von seiner "Großstadtwiese" meinte er: "Fremde, die Berlin rau, ruppig und hässlich finden, werden vielleicht sagen, meine Wiese sei voller Unkraut. Für mich sind das alles Blumen."

Erst im vergangenen Jahr war der in Berlin aufgewachsene Zeichner und Grafiker anlässlich seines 90. Geburtstages mit zahlreichen Ausstellungen gewürdigt worden, darunter in der Akademie der Künste, deren Mitglied Mohr seit 1970 war. Dort hatte er sich seit dem Mauerfall durch sein Engagement bei der Zusammenführung beider Akademien, Ost wie West, besondere Verdienste erworben hat. Schon in den Fünfzigern baute Mohr die Druckwerkstatt am Pariser Platz auf, die zu einem wichtigen Treffpunkt von Künstlern beiderseits der Mauer wurde. Sowohl in der Akademie als auch in der Kunsthochschule Berlin-Weißensee setzte der Künstler handwerkliche Maßstäbe, dessen Werk sich in einer Traditionslinie mit Kollwitz, Liebermann, sogar Menzel setzen lässt. Mit dem DDR-Anspruch "klassenbewusster Kunst" waren seine stillen Arbeiten jedoch kaum zu vereinbaren.

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