ARS NOBILIS Die Berliner Kunst- & Antiquitätenmesse : Die Renaissance des Geschmacks

Antiquitäten haben in den letzten Jahren kaum vom Boom des Kunstmarkts profitiert. Vielleicht ist das in der Krise ihr Glück

Christiane Meixner

Dass die Krise der Kunst angebrochen sei, hört und liest man nun überall. Den Investoren, die noch zu Beginn des Jahres viel Geld auf den internationalen Auktionen gelassen haben, geht die finanzielle Puste aus. Mit ihr verliert auch der aufgepumpte Markt für zeitgenössische Kunst an Volumen und brechen die Preise für jene aktuelle Malerei ein, für die in jüngster Zeit wahnwitzige Summen bezahlt worden sind.

Die alte Kunst hat von diesem Höhenflug nur mäßig profitiert – wohl auch, weil der Spekulation mit historischem Porzellan und antikem Schmuck, penibel gemalten Stillleben oder aufwendig hergestellten Möbeln Grenzen gesetzt sind. Ein Stück aus der Vergangenheit hat seinen Wert, der sich an vielen Parametern bemisst und nachvollziehbar bleibt. Die Frage der Handwerklichkeit, der kostbaren Materialien und ihre Seltenheit gehören dazu.

So kann sich die Ars Nobilis im neunten Jahr ihres Bestehens beruhigt zurücklehnen und gelassen auf jene Schätze schauen, die ab heute auf zwei Etagen im Automobilforum Unter den Linden ausgebreitet sind. Ihre Beständigkeit ist ebenso sicher wie die Tatsache, dass alle der hier vertretenen 28 Kunst- und Antiquitätenhändler ihr Bestes tun, um wie in jedem Herbst seltene, erlesene Dinge mit nach Berlin zu bringen. Nichts davon preist seine Qualitäten lauthals an; vielmehr verbirgt sich die Schönheit hier oft im Detail – dem fein Ziselierten, Gemalten oder Geformten.

So wenig diese Kunst vom Boom der letzten Jahre profitiert hat, so wenig wird sie jetzt beschädigt. Ihre Stabilität, die mancher der Einkäufer mit Langeweile verwechselt haben mag, macht sich nun bezahlt: real wie symbolisch. Nicht nur Banker sprechen davon, dass sie ihr Geld lieber wieder konservativ anlegen. Auch ein Künstler wie Jeff Koons hat kürzlich zugegeben, dass er beim Thema Wertbeständigkeit der alten Kunst vertraut und teuer eingekauft. Das kann nicht jeder – aber anfangen lässt sich damit schon einmal.

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