Kultur : Ars Nobilis: Noble Momente

Markus Krause

"Zukunft begegnet Vergangenheit" - unter diesem Motto firmiert derzeit zum zweiten Mal eine hochkarätige, von vier Berliner Kunsthändlern organisierte Ausstellung ausgewählter Kunstwerke, Möbel und Antiquitäten im Automobilforum Unter den Linden. Wer hier die Zukunft und wer die Vergangenheit vertritt, ist offensichtlich: Gastgeber der "Ars Nobilis" genannten Veranstaltung ist, wie schon bei dem Debüt im vergangenen Jahr, der Volkswagenkonzern, der die Räume seiner Berliner Repräsentanz 16 deutschen Kunsthändlern zur Verfügung stellt. Bereits die Premiere im letzten Herbst war ein beachtlicher Erfolg, obwohl die Organisatoren nur wenige Wochen Zeit für die Vorbereitung hatten. In diesem Jahr konnte die Messe von langer Hand geplant werden und ist tatsächlich noch attraktiver geworden.

Wie wichtig ein glanzvoller gemeinsamer Auftritt ist, wissen die Kunst- und Antiquitätenhändler in Berlin nur zu gut, denn nach wie vor fehlt ihnen in der Stadt ein geeigneter Ort für eine adäquate Selbstdarstellung. Um so mehr Liebe und Sorgfalt haben sie daher auf eine stilvolle Präsentation auf der "Ars Novilis" verwendet.

Die aufwändige Ausstellungsarchitektur vermittelt Offenheit und Transparenz, mit der die Veranstalter an die Präsentationsform der Berliner Messe "Orangerie" aus den achtziger Jahren anknüpfen, die sich als "Museum auf Zeit" verstanden hatte. Wichtiger als die schiere Masse ist die Konzentration auf das einzelne Objekt, das möglichst optimal zur Geltung gebracht wird. So ziehen im Zentrum des Lichthofes wunderbare Tapisserien aus der Zeit zwischen 1540 und 1740 magisch die Blicke auf sich (Galerie Neuse, Bremen).

Herausragende Gemälde und Papierarbeiten der Klassischen Moderne, die letztes Jahr von den Galerien Michael Haas und Wolfgang Werner angeboten wurden, sind diesmal wenig vertreten. Um so bedeutender ist die Auswahl an Antiquitäten, Möbeln, Kunstgewerbe, Schmuck, Porzellan- und Silberarbeiten, eine Gewichtung, die auch bei den neuen Ausstellern deutlich wird: Neben Neuse aus Bremen und Negelein aus Kiel ist unter anderem Georg Laue aus München zu nennen, der sich auf Kunstkammerobjekte des 16. bis 18. Jahrhunderts spezialisiert hat. Von ihm stammt ein Meisterwerk Danziger Bernsteinkunst: ein prachtvoll mit Bernstein und Elfenbein verzierter Kabinettschrank von Johan George Zernebach aus dem Jahr 1724.

Weitere Glanzpunkte setzen die beiden sensibel aus Schwarzerle geschnitzten Figuren des Bacchus und der Ceres von Balthasar Permoser, dem Meister des Dresdner Barock, die von dem Würzburger Händler Albrecht Neuhaus angeboten werden. Aber auch Liebhaber ausgefallener Stücke kommen auf ihre Kosten - nicht zuletzt bei dem Berliner Ernst von Loesch, der mit dem diffizil gearbeiteten Holzmodell einer neugotischen Pfarrkirche aus München die Aufmerksamkeit des Besuchers auf sich zu ziehen vermag.

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