"Ars Nobilis" : Zarte Pflanze

Wie drei Händler die Ars Nobilis erfanden: Mit einem Zelt fing alles an. Zwölf Meter lang, sechs Meter breit – das waren die Maße, mit denen das Trio damals alle Aufmerksamkeit und jede Menge Neid auf sich zog.

Christiane Meixner

Doch der Auftritt auf der Antiqua Berlin von 1985 sollte in jeder Hinsicht denkwürdig werden: Wenn man so will, haben Udo Arndt, Ernst von Loesch und Jürgen Czubaszek dort den Grundstein für ihre Ars Nobilis gelegt.

„Damals waren wir die jungen Wilden“, meint Arndt. Und dass man sich dem Verband der Berliner Kunst- und Antiquitätenhändler nicht beugen wollte, der keine Extrawürste duldete. „Dabei wird einem die alte Kunst ja nicht eben aus den Händen gerissen.“ Ein bisschen Klappern tut also gut. Wie wichtig ein starker, gemeinsamer Auftritt sein kann, hatte das Trio schon vorher festgestellt. Zur großen Ausstellung über Eisenkunst im Schloss Charlottenburg hatten sich die Antiquitätenhändler überlegt, parallel etwas zu organisieren. Von Loesch, der selbst eine kleine Sammlung von Objekten besaß, lud die Kollegen in die Fasanenstraße – für eine gemeinsame Schau in seinen Räume. „Die Kräfte zu bündeln und gemeinsame Themen zu realisieren, bringt Synergien und Außenwirkung“, meint Arndt. „Das hat dann auch zu unseren extremen Ergebnissen geführt.“

Mit „extrem“ meint er den nächsten Stand auf der Antiqua 1986. Er war aus Stahl und der Boden künstlich gerostet. „Zusammen mit den Antiquitäten war das ein toller Effekt“, erinnert sich Czubaszek. Ungewöhnliche Ideen wie diese hinterließen wohl auch beim Verband Eindruck. Jedenfalls wurde Arndt Anfang der neunziger Jahre gefragt, ob er nicht den Vorsitz übernehmen wolle – und damit auch die Messe des Verbandes, die Orangerie im Martin-Gropius- Bau. 1995, nach der letzten Orangerie, vielen Diskussionen und einigen Querelen, spaltete sich Verband. „Wir haben dann auf eigene Faust geschaut, wo wir passende Räume finden“, erklärt von Loesch, der bald auf das noch öde Quartier 206 stieß. Und auf einen Verwalter, der ihnen 330 Quadratmeter plus 23 Schaufenster in der unvermieteten Passage bot – mit der Auflage, das Areal binnen weniger Wochen zu beleben. „Wir haben pausenlos telefoniert, 14 Händler zusammengetrommelt, von denen einige aus Westdeutschland kamen, und das Quartier innerhalb von drei Wochen eröffnet“, erinnert sich Czubaszek. Zwei Jahre lang waren sie und die Kollegen stundenweise anwesend, um diese ständige Schau nach festen Plänen zu organisieren. „Dann sollten wir Miete zahlen, das hätte sich nicht mehr gerechnet.“

Was für ein Glück, dass sich bald darauf eine neue Chance auftat. Im Automobil Forum Unter den Linden war noch Platz für gute Ideen. Czubaszek: „Es gab eine Ausschreibung, man musste sich mit einem Konzept vorstellen.“ Eine neue Messe soll es sein, das war dem Trio schnell klar. Auch, dass man keine Kojen möchte, sondern eine offene, inszenierte Architektur. Zur Premiere realisierte man einen Barockgarten. Mit Massen von Eibenzweigen, die an die Wand getackert und anschließend mit der Heckenschere in Form gebracht wurden. Dazu Rollrasen, 14 teils namhafte Aussteller – und die Erkenntnis, dass das Haus „uns nicht nur freie Hand lässt, sondern auch überaus großmütig war“, so Arndt. „Sie müssen sich vorstellen, dass die Eiben voller roter Beeren waren, die abfielen und von den Besuchern im ganzen Haus verteilt wurden.

„Das Haus“ hatte jedoch auch ein paar Forderungen: Dazu gehörte der kostenlose Eintritt. Nach ersten Irritationen sind auch Arndt, Czubaszek und von Loesch längst davon überzeugt, weil es jedem ermöglicht, sich mit den ausgesuchten Antiquitäten auseinanderzusetzen. 15 Euro Eintritt, wie ihn andere Messen verlangen, schreckten bewusst ab. Nach zehn Jahren sind die „Wilden“ von damals also sesshaft geworden. Mild aber sind sie noch lange nicht.

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