Art Basel in Miami Beach : An der Oceanfront

25 Grad im Schatten: die Art Basel Miami Beach ist deutlich unaufgeregter als in den Jahren zuvor.

Daniel von Bernstorff
Poolparty. Die Schwimmskulptur von Jorge M. Blake ist Teil der Messe. Foto: Art Basel
Poolparty. Die Schwimmskulptur von Jorge M. Blake ist Teil der Messe. Foto: Art Basel

Ist das nicht Hollywoodstar Adrian Brody, der lässig durch die Gänge des Miami Convention Centers schlendert? Und wenn schon. Stars gehören seit jeher zum Ableger der Art Basel in Miami Beach und die Aufmerksamkeit, die Brody erzeugt, hält sich in überschaubaren Grenzen. Im Mittelpunkt steht die Kunst und sie hält in diesem Jahr – wenn auch in traditionellen Grenzen – alle Versprechen. Schon das Entrée ist grandios. So leuchtet in der Eingangshalle „Safran“ von Mark Rothko, das angeblich für 30 Millionen Dollar schon einen neuen Besitzer gefunden hat. Auf der linken Seite überzeugt Michael Werner mit Werken von Polke und Baselitz. Ob Picasso, Klee, Gerhard Richter, Yves Klein oder Günther Uecker – die Großen und Etablierten scheinen die Stars der aktuellen Ausgabe in Miami zu sein und erzielen Preise von 500 000 (Uecker) bis 4.6 Millionen Dollar (Paul Klee bei Galerie Thomas).

„Die Hysterie der vergangenen Jahre mit ihren Kämpfen um die jungen, experimentellen Künstler ist nicht mehr zu spüren“, bringt es Martin Klosterfelde als einer von zahlreichen deutschen Galeristen in Miami auf den Punkt. Klosterfelde kombiniert etablierte Künstler wie Hanne Darboven oder Matt Mullican mit jüngeren Positionen von Tobias Buche und Lisa Oppenheim. Die Auseinandersetzung mit der Elterngeneration und der Rückbezug auf historische Positionen sind auch gegenüber bei Andrew Kreps zu beobachten. Die massiven Kalkstein-Möbelskulpturen von Scott Burton gehören bereits am ersten Tag zum Messegespräch. Burton war ein Grenzgänger zwischen den ästhetischen Disziplinen, seine Werke bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und Möbeldesign. Damit trifft er den Nerv der Zeit, der sich konkret im Ausstellungszelt auf dem Vorplatz bei der „Design Miami“ manifestiert. Sie ist in diesem Jahr erstmals aus dem entfernten Design District unmittelbar neben die Kunstmesse gezogen und präsentiert neben Konstantin Grcic 15 internationale Designgalerien. Schon diese Zusammenstellung birgt Probleme. Während Grcic – zweifelsohne einer der führenden Designer unserer Zeit – sich vorwiegend mit klassischem Industriedesign für die Möbelindustrie beschäftigt, zeigen die Galerien teure Unikate oder limitierte Sondereditionen. Die Bandbreite reicht von Klassikern von Joe Colombo und Donald Judd bis hin zu kunsthandwerklichen Arbeiten. Mit der neuen geografischen Nähe zur Kunstmesse soll von deren Strukturen profitiert werden. Doch eine klare Aussage zum Verhältnis von Kunst und Design sucht man vergebens. Von einem „Global Forum für Design“, wie sich die Messe selbstbewusst nennt, kann man mehr erwarten.

Weniger anspruchsvoll und erfrischend innovativ ist das Konzept „Oceanfront“, wo sich an vier Abenden die Städte Detroit, Mexico City, Berlin und Glasgow in einer Mischung aus zeitgenössischer Kunst, Performance, Video und Live Music präsentieren. Hier geht es um Formen der Kreativität, um die Verschmelzung der Disziplinen und interkulturellen Austausch. Ihn findet man an diesen Tagen in Miami an jeder Ecke. Ob in der großartigen Rubell Collection, in der Jennifer Rubell zur morgendlichen Performance einlädt, auf den Satellitenmessen Pulse und Scope oder beim Spaziergang an der Oceanfront. Bei Sonne und 25 Grad.

Art Basel Miami Beach & Design Miami, bis 5.12., www.artbasel.com

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