Art Basel : Nächstes Mal Sandalen

Die Art Basel Miami Beach meldet sich zurück. Naomi Campbell war nicht die Einzige, die sich am Mittwoch auf der achten ABMB für hochpreisige Bilder interessierte.

Rita Neubauer

Kurz vor der VIP-Vernissage stürmte ein Dutzend US-Marshals die Kunstmesse und verließ sie mit Gemälden im Wert von sechs Millionen Dollar – darunter Werke von Miro, Degas und Fernand Leger.

Die Bilder gehören der Zürcher Galerie Gmurzynska. Grund für die Beschlagnahmung: eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen Gmurzynska, der Kunstgalerie Edelman Arts in New York und dem Versicherer XL Specialty Insurance. Wenige Stunden vor dem überraschenden Auftritt der Marshals sorgten bereits Sylvester Stallone und sein Bodyguard für Blitzlichtgewitter bei Gmurzynska. Jedoch nicht als Käufer, sondern als Künstler. Er greife zum Pinsel, wenn er relaxen wolle, gestand „Rambo“ der faszinierten Menge. Die Galerie verkaufte gleich zwei der farbenfrohen Bilder im Wert von jeweils 40 000 Dollar.

Vorbei sind zwar die Zeiten, als sich zum Startschuss einer der weltgrößten Messen Hundertschaften von Sammlern an den Eingangstüren drängelten, doch die Messe sei „enorm gut besucht“, meint Heike Grossmann, Direktorin der Galerie Thomas. Die Galerie für Expressionismus und klassische Moderne verkaufte gleich am ersten Tag Arbeiten von Marc Quinn (245 000 Dollar) und Max Ernst. Auch bei Eigen und Art aus Berlin zeigt sich Kerstin Wahala zufrieden mit der Show, die morgen zu Ende geht und dann rund 40 000 Besucher zählen wird. Zwar hätte man nicht wie früher am ersten Tag alles verkauft. Doch dass ein Bild von Neo Rauch für 450 000 Dollar nach Deutschland geht sowie Werke von Birgit Brenner und Stella Hamberg verkauft wurden, hebt die Stimmung. „Die Wirtschaftskrise ist bei den Kunden schon seit einem halben Jahr kein Gesprächsthema“, meint Wahala. Was auch das „gnadenlose Herunterhandeln der Preise“ inzwischen wieder verbiete. Dennoch: Gehandelt wird, sagt ein Kunstberater, der seiner vermögenden lateinamerikanischen Klientel am Stand der Berliner Galerie Neugerriemschneider Skulpturen von Jorge Pardo schmackhaft macht.

Positiv überrascht zeigt sich Ursula Krinzinger von der österreichischen Galerie Krinzinger. Zwar seien weniger europäische Sammler über den Teich gejettet und zeigten sich die Amerikaner „eher zögerlich“. Aber die Kaufbereitschaft der Europäer sei hervorragend. 80 Prozent ihrer veräußerten Werke gehen zurück nach Europa. „Kein Wunder bei dem starken Euro“, sagt die Galeristin. Als neue Power-Player entpuppten sich lateinamerikanische Sammler. Zwei brasilianische Galerien waren am ersten Tag fast ausverkauft, dank Sammlern aus dem eigenen Land.

Gelassenheit herrscht nicht nur an den Ständen. Das ABMB-Fieber, das in den vergangenen Jahren Sammler, Galeristen Künstler und den internationalen Party-Jet-Set befiel, sank dieses Jahr um merkliche Grade. Glanz und Glamour herrschten zwar weiterhin bei den Vernissagen diverser Satellitenmessen und Parties, doch Hype und allzu ostentativer Glitter ist out. Gut gehen Werke bis 250 000 Dollar, sagt Marc Payot, Partner und Direktor von Hauser & Wirth in New York, Zürich und London. Er hat am ersten Tag eine Skulptur von Paul McCarthy für 175 000 Dollar losgeschlagen. Ein Wagen des indischen Künstlers Subodh Gupta für 850 000 Euro wartete dagegen am Donnerstag noch auf Liebhaber.

Geteilter Meinung war man angesichts des neuen Konzepts. 30 Prozent mehr Ausstellungsfläche wurden von den einen begrüßt, von anderen kritisiert. Neu im Messezentrum sind die „Art Positions“: Die Galerien für junge, kantige Kunst fanden sich zuvor an der Ocean Front direkt am Sandstrand. Nun lassen sie die Messe auf 275 Galeriestände anschwellen und bescheren den Besuchern lange Wege. „Das nächste Mal ziehe ich Tennisschuhe an“, ließ sich eine elegante Kunstfreundin in Stilettos vernehmen.

www.artbasel.com

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