Kultur : Art Forum Berlin: Ein Korn im Feldbett

Max Glauner

Der Kojenmief ist ausgeräumt. Das 15. Art Forum Berlin gibt sich luftig. Weniger Aussteller, mehr Übersicht. Das neue Konzept der Messemacher Eva-Maria Häusler und Peter Vetsch erfreut: Junge Galerien, die bisher in einem Appendix der Messehallen untergebracht waren, sind nun inmitten der renommierten Kollegen gelandet. Nach dem Motto „Manege frei!“ wurden 13 Bewerbern, die jeweils eine befreundete junge Galerie als Partner einladen durften, insgesamt 2000 Quadratmeter überlassen, ein Viertel der Ausstellungsfläche. Bei Jette Rudolph im Gespann mit den Leipziger Galerie Laden fuer Nichts und Lüttgenmeijer mit Mangione aus Turin wurde bereits am ersten Messetag gut verkauft, etwa eine Skulptur von David Jablonowski an die Bundeskunstsammlung. Entsprechend gehoben war die Stimmung.

Durch die Wahl einer Partnergalerie habe man mehr Aufmerksamkeit und Einfluss auf die Messegestaltung, schwärmt Galerist Robert Maijer. Auch die Vollzahler gegenüber, die Galerien Zero aus Mailand, Rodeo aus Istanbul und Mehdi Chouakri aus Berlin, sehen die Neuen als Belebung der bis Sonntag laufenden Messe. Da gibt das Feldbett mit applizierten Bierflaschenhaltern für 5400 Euro von Johannes Vogl bei Jette Rudolph eine treffende Messeallegorie ab: Prost, wir sitzen doch alle in einem Boot.

Auf junge Galerien zu setzen, sei für Berlin die beste Chance, kommentiert der alte Hase Ulrich Gebauer, „aber es kompensiert nicht den Mangel an wirklich guten Galerien. Der Zulauf an potenten Sammlern, wie man ihn von London, Paris oder Basel her kennt, blieb bisher aus.“ Dabei ficht es Gebauer nicht an, dass ihm gegenüber ein Newcomer mit einer Ballerina-Performance im Tütü Aufmerksamkeit sucht. Er kann sich über das rege Interesse an seiner Künstlerin Asta Gröting freuen. Doch unter Dach und Fach sind seine Verkäufe noch nicht. Auch Johannes Vogls Feldbett war gestern noch zu haben. Max Glauner

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