Kultur : art forum berlin: Kunst zur Feier des Wandels

Katrin Bettina Müller

Der Pariser Platz gehört zu den prominentesten Orten in der Stadt. Gleich drei Banken zeigen dort Präsenz, wo die Feier zum Ende der deutschen Teilung ihre permanente touristische Fortsetzung und politische Ritualisierung findet. In das rekonstruierte Max Liebermann Haus ist die Deutsche Bankgesellschaft Berlin mit ihrer Stiftung "Brandenburger Tor" gezogen. Rechts davon residiert die Dresdner Bank in einem Haus von Gerkan, Marg & Partner, links die DG-Bank, die ihre Niederlassung von Frank Gehry bauen ließ. Sie wetteifern nicht nur mit ihren Architekturen um eine symbolische Neubesetzung des historischen Ortes, sondern auch mit Kulturprogrammen und Kunstsammlungen.

Das aufregendste Haus ist zweifellos die Niederlassung der DG-Bank: Kaum ein größerer Gegensatz lässt sich denken als zwischen der Fassade aus Stein und Glas, die pur den städtebaulichen Richtlinien entspricht, und dem Innenraum, der mit gläsernen Hügeln den Boden und die Decke des Atriums erfasst und einen metallenen Kongresssaal beherbergt. Das Konzept der "Corporate Identity" funktioniert dabei auf verschiedenen Ebenen: Das Untergeschoss dient als Fernsehbühne etwa für n-tv-Talks und sorgt für die mediale Präsenz der Deutschen Genossenschaftsbank. Die geschwungene Form von Gehrys skulpturaler Halle findet sich auch in der Gestalt eines Preises wieder, der für Mittelstands-Unternehmen verliehen wird. Er ahmt die Form von Gehrys skulpturaler Halle nach.

Nicht zuletzt sollen Flure und Eingangshalle des Gebäudes von der fotografischen Sammlung der DG-Bank bespielt werden, die inzwischen über 3000 Werke von rund 300 zeitgenösssischen Künstlern umfasst. Luminita Sabau, Kuratorin der Sammlung, hat vor allem Arbeiten ausgewählt, die sich mit dem Thema Raum in Architektur, Stadt und Natur auseinandersetzen, um mit Gehrys Architektur in einen Dialog zu treten. Zwei große Fotoinstallationen von Katharina Sieverding und Ulrich Görlich sollen als Signal für die Bereitschaft der Bank dienen, sich mit der Gesellschaft heute und dem historischen Ort auseinander zu setzen.

In Frankfurt haben die Banken Kunst als Prestigeobjekt entdeckt und das Sammeln zur neuen Kommunikationsebene erhoben; in Berlin setzen sie es fort. Die Deutsche Bundesbank etwa, die vor zehn Jahren 16 Etagen im Frankfurter Messeturm bezog, widmete bereits jedes Stockwerk der Kunst aus einem anderen Bundesland. Die DG-Bank konzentrierte sich auf Fotografie, die Deutsche Bank sammelt Arbeiten auf Papier. In ihrem Berliner Geschäftssitz Unter den Linden reicht der Bogen von Max Liebermann und Max Slevogt bis zu Franz Ackermann und Florian Merkel.

Die Hoffnung ist groß, dass der Macht und dem Geld die Sammler in die neue Hauptstadt folgen. Doch noch sitzen viele Vorstände und Fachbeiräte in Frankfurt. Andere nach Berlin gezogene Unternehmen haben Vorurteile gegen die Provinzialität der Berliner im Gepäck. International agierende Konzerne wollen auch internationale Kunst: So setzten amerikanische Investoren eine Skulptur von Claes Oldenburg wie ein Ausrufezeichen vor ihrem Geschäftshaus am Checkpoint Charly ab. Mit solchen Implantaten werfen sie Anker im Berliner Grund.

Tradition und Moderne

Dagegen gehört es zu den Konzepten der Berliner Bankgesellschaft und ihren Holding-Partnern Berliner Hyp und Landesbank, den Kunstmarkt und die Künstler vor Ort zu unterstützen. Die Bankgesellschaft, die das "art forum" von Anfang an gefördert hat, erwarb auf der Messe auch einen großen Teil ihrer Sammlung und stattete damit ihre Geschäftsräume im Alexanderhaus und Max Liebermann Haus aus. Während die Bauten von Peter Behrens am Alexanderplatz und Joseph Paul Kleihues am Pariser Platz dem noch relativ jungen Unternehmen einen von Tradition geprägten Rahmen aus Gründerzeit und Moderne bieten, fügt die mit Hilfe des DAAD aufgebaute Kunstsammlung Signale des Internationalen und Gegenwärtigen in die historische Hülle.

Die Wurzeln der Berliner Bankensammlungen reichen nicht sehr weit zurück. Das Vertrauen ins Kommunikationsmittel Kunst reicht gerade mal ein knappes Jahrzehnt zurück. 1987 initiierte Klaus Landowsky im Vorstand der Berlin Hyp den Aufbau der Kollektion, in der sich Werke vieler Stipendiaten der Karl-Hofer-Gesellschaft befinden. Auch mit den Namen von Hochschullehrern und lokalen Größen wie Matthias Koeppel oder Salomé ist die Sammlung verbunden. Am dichtesten am Produzenten ist die Landesbank Berlin, denn sie beauftragt Künstler aus Berlin und Brandenburg teilweise direkt damit, eine ihrer Filialen auszustatten. Diese Räume bieten häufig Platz für einen ganzen Werkkomplex - etwa von Anne Katrin Dolven, Eva-Maria Schön, Hans Schimanski und Olav Christopher Jensen.

Von der Kulturpolitik werden die neuen Kunstsammler Berlins, zu denen auch Versicherungshäuser wie die Allianz und Energiekonzerne (Bewag, Gasag, Veag) gehören, gerne als Hoffnungsträger gesehen, mit denen man an die Vorkriegszeit anknüpfen will. Doch vergleicht man die Ambitionen heutiger Sammlungen mit dem historischen Mäzenatentum, dem viele Berliner Museen ihren Ausbau verdanken, fallen Unterschiede ins Auge. Damals wurde Kunst vergangener Epochen gesammelt, ging es doch um eine Rückversicherung der jungen Großstadt in der Geschichte.

Fusion mit der Kunst

Heute steht "junge" Kunst auf dem Programm als Zeichen für Innovationsfreudigkeit. Geändert hat sich auch der Anspruch, der mit einer Kunstsammlung artikuliert wird: In der ersten Jahrhunderthälfte diente das Sammeln als Ausweis des gesellschaftlichen Status. Die Kunst musste ausgleichen, was trotz der Machtverteilung zwischen alter Aristokratie und neuem Bürgertum noch nicht erreicht war. Heute dagegen versuchen die Banken und Konzerne, die als Motor der ökonomischen und politischen Entwicklung kaum noch angreifbar sind, durch ihr Bekenntnis zur Kultur Verantwortungsbewusstsein unter Beweis zu stellen. Die Kulturprogramme müssen für jene Werte wie Transparenz, Toleranz und Kreativität einstehen, die sich in der Arbeit der Unternehmen selbst nach außen nur schwer vermitteln lassen.

Viele Kunstsammlungen, die jetzt in neu eröffneten Firmensitzen aufgebaut werden, prägt der Wind des Aufbruchs. Dass dabei das Kunstengagement abhängig ist vom Stand der Geschäfte, kann nicht verwundern. So ist es nach der Fusion mit der Köpenicker Bank und der Berliner Volksbank still geworden um die Sammlung der ehemaligen Grundkreditbank, die seit 1985 mit ostdeutschen Malern eine konsequente Linie verfolgte. Im Wandel der Bankenlandschaften, nicht nur in Berlin, kann hinter manches Sammlungskonzept auch sehr schnell ein Schlusspunkt gesetzt werden.

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