Kultur : "art forum": Museen in Kauflaune

Gyde Cold

Sie betreuen die bekanntesten Museen Berlins und haben doch wenig Geld zur Verfügung. Obgleich sie der Kunst zu einer weitreichenderen Öffentlichkeit verhelfen, müssen sie mit einem geringeren Budget auskommen als so mancher Sammler. Beide Gruppen - Museumsdirektoren wie Privatsammler - nutzten dieser Tage das "art forum", um ihren Bestand zu erweitern. Was allerdings Angela Schneider, stellvertretende Direktorin der Neuen Nationalgalerie, zusammen mit Eugen Blume, Kurator im Hamburger Bahnhof, erworben hat, wird mit ungleich größerer Aufmerksamkeit verfolgt. Dritter im Bunde ist Alexander Dückers, Direktor des Kupferstichkabinetts und Fachmann für das 20. Jahrhundert. Auch er hat sich auf der Kunstmesse in Kauflaune umgesehen, denn - ausnahmsweise - hat er das Geld, um hier seine Sammlung zu ergänzen.

Zum zweiten Mal fördert das Land Berlin durch Bereitstellung von Geldern in Höhe von 100 000 Mark aus der Klassenlotterie das "art forum". Ein solcher Ankauf sei aber auch ein kulturpolitisches Signal, erklärt Dückers. Auf Antrag der Kulturverwaltung und mit ausdrücklicher Unterstützung des Senates für Wissenschaft, Forschung und Kultur und auf Fürsprache des Regierenden Bürgermeisters steht damit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eine erkleckliche Summe zur Verfügung, die sich allerdings die beiden Museen mit Sammlungen zeitgenössischer Kunst teilen müssen.

Wie heute Nachmittag Kultursenator Christoph Stölzl bekannt geben wird, haben die Kuratoren ihre Wahl schnell getroffen und erstklassige Arbeiten erstanden. Für den Hamburger Bahnhof wurde bei der Galerie Gagosian eine Fotografie von Vanessa Beecroft angekauft, die in das Konzept der existierenden Sammlung passt und sie auf aktuellstem Niveau ergänzt. Ihr Titel lautet kühl "VB 43.008 TE, 2000". Die 1969 geborene Künstlerin aus New York machte sich einen Namen mit Performancestills. Sie schickt Horden junger, mit Designerunterwäsche mehr oder minder bekleideter Mädchen in Ausstellungen und lässt sie gängige Posen von Models einnehmen. So thematisiert sie die Frage nach Subjekt und Objekt und das Verhältnis von Körper, Mode, Markt und Kunst.

Auch das Kupferstichkabinett vervollständigte seine Sammlung mit einer Arbeit aus diesem Jahr. Sie stammt von einem großen Künstler, der bereits in den sechziger Jahren seine Karriere begann: Per Kirkeby. In der Galerie Niels Borch Jensen aus Kopenhagen hatte die mit 225 x 125 Zentimetern riesige Monotypie ohne Titel auf ihren neuen Besitzer förmlich gewartet. Denn mit diesem Stück kann das Kupferstichkabinett das Werk des Neoexpressionisten, der 1938 in Kopenhagen geboren wurde, seit den achtziger Jahren repräsentieren.

Im vergangenen Jahr konnten noch für 130 000 Mark Werke auf der Messe erworben werden; damals füllten noch Gelder aus dem Vorjahr den Topf. Die Lotto-Gelder sind für die Berliner Museen unverzichtbar, damit deren Sammlungen ständig aktualisiert werden können. Der Lotto-Stiftungsrat übergibt der Kulturverwaltung einen jährlich wechselnden Betrag für den gemeinsamen Ankaufsfond der Museen. Das Kupferstichkabinett wäre ohne die "Gewinne" aus dem Glücksspiel gar nicht in der Lage, Zeitgenössisches zu erwerben. Dem Haus steht seit sieben Jahren kein regulärer Ankaufsetat mehr zur Verfügung. Die reine Bestandsverwaltung birgt aus Sicht von Direktor Dückers die Gefahr, dass "die Berliner Museen sich im Lichte alter Schätze sonnen, eines Tages aber den Anschluss an das Aktuelle verpasst haben."

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