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Hitler-Biograf

Joachim Fest gestorben

Der Historiker und Publizist Joachim Fest ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Seine Hitler-Biographie gilt als Standardwerk der Geschichtsschreibung.
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Frankfurt/Main - Der frühere Mitherausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) starb am Montagabend in seinem Haus in Kronberg im Taunus, wie die FAZ berichtete. Seine 1973 erschienene Biographie von Adolf Hitler, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, gilt bis heute als Standardwerk der Geschichtsschreibung. Politiker, Historiker und Weggefährten zeigten sich betroffen über den Tod Fests und würdigten ihn als großen Publizisten.

Fest zählt zu den angesehensten deutschen Historikern seiner Zeit. Vor allem als Experte für die Zeit des Dritten Reiches machte er sich einen Namen. So verfasste er neben der Hitler-Biographie zahlreiche weitere Analysen, darunter "Der Untergang". Die Darstellung der letzten Tage Hitlers lieferte später die Vorlage für den gleichnamigen Film von Bernd Eichinger aus dem Jahr 2004. Viel Beachtung fand auch Fests Biographie des Architekten und Rüstungsministers der Nazis, Albert Speer. In der kommenden Woche sollen Fests Kindheits- und Jugenderinnerungen unter dem Titel "Ich nicht" erscheinen, die er noch kurz vor seinem Tod fertig gestellt hatte. Darin schildert er das Leben seiner Familie unter dem Nationalsozialismus.

Zahlreiche Auszeichnungen

Der Publizist, der 1926 in Berlin-Karlshorst geboren wurde, begann seine journalistische Laufbahn nach einem Studium der Rechtswissenschaft, Geschichte und Germanistik beim Berliner Sender Rias. Seit 1963 war er Chefredakteur und Hauptabteilungsleiter Zeitgeschehen des Norddeutschen Rundfunks, wo er später die Leitung der Sendung Panorama übernahm. 1973 trat er in das Herausgeberkollegium der FAZ ein, wo er bis zum Ruhestand 1993 für das Feuilleton zuständig war und als konservativ geltender Intellektueller immer wieder politisch Stellung bezog.



Fest erhielt zahlreiche Auszeichnungen für sein Schaffen. In diesem Frühjahr wurde sein Lebenswerk in Hamburg mit dem Henri Nannen Preis gewürdigt. Zugleich schaltete sich der verheiratete Vater zweier erwachsener Söhne auch im Ruhestand in aktuelle Diskussionen ein. Erst kürzlich hatte er den Schriftsteller Günter Grass für sein spätes Eingeständnis, in seiner Jugend der Waffen-SS angehört zu haben, kritisiert.

Einer der geistreichsten und wortmächtigsten Publizisten

Bundespräsident Horst Köhler nannte Fest einen Menschen, der jahrzehntelang die geistige Kontur Deutschlands bestimmt habe. In seiner Persönlichkeit hätten sich "christliches Ethos und Bürgertugend, tiefe Bildung und intellektuelle Redlichkeit, konservative Skepsis und weltbürgerliche Liberalität zu einem wahrhaft lebendigen Geist" verbunden, schrieb Köhler an die Witwe Ingrid Fest. Bundestagspräsident Norbert Lammert kondolierte ihr mit den Worten, Fest sei ein engagierter Wissenschaftler und glänzender Feuilletonist gewesen, der sich um die aufrichtige Aufarbeitung der schwierigen deutschen Geschichte verdient gemacht habe. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) erklärte, mit Fest verliere die deutsche Publizistik einen ihrer geistreichsten und wortmächtigsten Vertreter.

Auch der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki zeigte sich betroffen vom Tod seines langjährigen FAZ-Kollegen. "Joachim Fest war einer der großen Journalisten und Publizisten unserer Epoche", sagte er "Spiegel Online". Sein Buch über Hitler gehöre zu den wichtigsten Büchern zu diesem Thema überhaupt. Der Berliner Geschichtsprofessor und einstige Fest-Kritiker Wolfgang Wippermann würdigte seinen Kollegen als große Persönlichkeit und großen Historiker. (tso/AFP)
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