Bei schönem Herbstwetter fand sich neben Richard von Weizsäcker fast die gesamte Führungsschicht der deutschen Politik in Berlin ein. Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, Bundeskanzler Helmut Kohl, mehrere Bundesminister, nahezu alle Regierungschefs der Länder waren in die Hauptstadt gekommen - nur die CSU hatte sich verweigert.
Aber auch die Linken hatten Probleme. Traten in Berlin nicht viele Politiker auf, die sich für eine Änderung des Grundgesetzes aussprachen, um das Asylrecht zu verschärfen? 200 bis 300 Autonome praktizierten im Lustgarten dann antirassistischen Protest auf ihre Weise.
In unauffälliger Alltagskleidung schoben sie sich bis zur Bühne vor, auf der Bundespräsident von Weizsäcker seine Ansprache vortrug. Eier flogen, Farbbeutel, auch ein paar Steine. Die Autonomen skandierten "Heuchler, Heuchler", Polizei und Bundesgrenzschutz, mit 3500 Mann im Einsatz, waren machtlos. Von Weizsäcker musste seine Rede unter dem Schutz von Plastikschilden und Regenschirmen halten. Der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel wurde zu Boden gerissen, ein BGS-Mann gab Warnschüsse ab. Die Polizei konnte allerdings nur 14 Personen festnehmen.
Nicht nur die Krawalle selbst, sondern auch die dramatischen Fernsehbilder überlagerten den Gesamteindruck einer riesigen, überwiegend friedlichen Manifestation. Die kurze Zeit später beginnenden Lichterketten waren denn auch ein Versuch, "normalen" Bürgern einen Straßenprotest gegen Fremdenfeindlichkeit zu ermöglichen, der von militanten Linken nicht zu Ausschreitungen genutzt werden konnte.
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