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Ur und Uruk

Bomben auf Backstein: Italien sorgt sich um Kulturgüter im Irak
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Was von Ur übrig geblieben ist, weiß im Moment niemand. Vielleicht wissen es amerikanische oder britische Soldaten, die an Ur vorbei Richtung Norden, Richtung Bagdad, ziehen. Ur ist nicht nur der wichtigste archäologische Grabungsort des gesamten Irak, sondern wahrscheinlich die älteste Stadt der Menschheit. Englische Grabungen holten in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts aus den Königsgräbern der frühdynastischen Zeit, um 2500 vor Christus, Schmuck, Musikinstrumente und Standarten. Hier erheben sich die Reste eines großen Heiligtums sowie ein Zikkurat, Palast- und Grabbauten aus der dritten sumerischen Dynastie, etwa 2070 bis 1950 vor Christus.

Die römische Archäologin Giovanna Lombardo befürchtet, dass keine der beiden Seiten, der irakischen wie der anglo-amerikanischen, bei ihren Kämpfen Rücksicht auf diese grandiosen Ruinen der Sumerer nimmt. Lombardo kennt Ur und Uruk, wo neben Tempeln auch Mosaiken und Monumentalplastiken aus dem Erdreich geholt wurden, wie ihre Westentasche. Die am römischen Nationalmuseum für orientalische Kunst arbeitende Archäologin hat zusammen mit US-Kollegen versucht, auf das Pentagon einzuwirken, damit die Truppen, wenn möglich, die archäologischen Stätten verschonen. Bis auf wenige Steingebäude sind fast alle sumerischen Bauten aus nichtgebrannten Ziegelsteinen errichtet worden. „Sie können sich vorstellen“, so Lombardo, „was Bomben und Raketen bei Bauten anrichten, die aus Ziegelsteinen bestehen!“

Das italienische Kulturministerium verfügt über eine Liste aller durch den Krieg bedrohten Grabungsorte im Irak. Entlang des Euphrat, jene Strecke, die die Bodentruppen von Kuweit aus Richtung Bagdad zurücklegen, befinden sich die meisten bedeutenden archäologischen Gebiete. Gefahr droht auch den Stätten im Norden. Lombardo weiß, dass die türkischen Generäle, die von Norden aus in den Irak eindringen wollen, wenig Interesse an den archäologisch bedeutenden Ruinen zeigen. US-amerikanische Archäologen hatten vergeblich versucht, den Türken eine Zusicherung zum Schutz der antiken Stätten im Nordirak abzuringen. So sind Grabungsorte wie Nimrud und Kirkuk in Gefahr, bei zu erwartenden Kampfhandlungen zerstört zu werden. Der Umstand, dass das irakische Nationalmuseum sowie das Mosul-Museum in Bagdad in der Nähe von Regierungspalästen liegen, die bereits zerstört worden sind, lasse, so Lombardo, nichts Gutes für die dort aufbewahrte Kunst erwarten.
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