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Häuser träumen

Zum Tod des Fotografen Julius Shulman
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Nie sah die Moderne verführerischer aus. Nie poetischer. Der Traum von einem Haus, so licht und leicht, so offen und frei. Auf den Fotos von Julius Shulman scheint immer die Sonne, auch wenn es in Wirklichkeit geregnet hat. Noch heute wirken seine Bilder revolutionär: weil er die Häuser nicht wie die meisten Architekturfotografen als kalte Skulpturen abbildete. In seinen Bungalows, mit Fenstern bis zum Boden, mit Swimmingpool und dramatischem Blick auf die Stadt, saßen echte Menschen auf echten Möbeln. Was nicht heißt, dass der Amerikaner Realist gewesen wäre. Er wollte Gefühle zeigen und wecken. Nicht umsonst lebte er fast sein ganzes Leben lang in Los Angeles, der Heimat der Traumfabrik. Shulman hat die Häuser so abgelichtet, dass selbst die Architekten sie manchmal nicht wiedererkannten.

Dabei war er weder Architekt noch Fotograf, als er 1936 mit seiner Arbeit begann. „Ich war gar nichts.“ Sieben schöne Jahre hatte Shulman an der Uni herumstudiert, Geologie, Logik, Philosophie, und Basketball gespielt. Dann traf er Richard Neutra, von dessen Häusern er mit seiner kleinen Kodak ein paar Schnappschüsse gemacht hatte, von denen der Architekt begeistert war. So wurde der Sohn eines Farmers Architekturfotograf, der berühmteste im ganzen Land.

Auch wer nie in Kalifornien war, kennt durch ihn die Moderne der großen Meister, von Richard Neutra und Pierre Koenig. „Modernism Rediscovered“ hieß eins der vielen Bücher, die der Taschen Verlag herausgegeben hat. Und in der Tat wurden durch ihn die zwischenzeitlich oft vernachlässigten Häuser, vor allem die Case Study Houses, wiederentdeckt. Seine Bilder wurden zu Ikonen, er selber auch in Europa im hohen Alter berühmt – ein sehr erfrischender Star, so optimistisch wie die kalifornische Architektur.

60 Jahre lang und mit größtem Vergnügen lebte Shulman selber in einem der Klassiker der Moderne, in dem Drinnen und Draußen, wie so oft, praktisch eins waren. „Ein wunderbarer Ort, das Leben zu genießen.“ Und, so betonte er, äußerst solide und erdbebenfest. Am Mittwoch ist Julius Shulman im Alter von 98 Jahren in Los Angeles gestorben. kip

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 18.07.2009)
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