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KURZ & KRITISCH

Kunst, Theater, Kunstgewerbe

Englische Porträts in der Gemäldegalerie, „West in Peace“ im Hebbel am Ufer und Syrische Wohnwelten im Pergamonmuseum.
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KUNST

Schönheit der Upperclass: Englische Porträts in der Gemäldegalerie

Die Reihe englischer Gesellschaftsportraits des 18. Jahrhunderts wird in der Berliner Gemäldegalerie klar von Thomas Gainsborough dominiert. Als Maler der Upperclass gefragt, zog es ihn doch zu den einfachen Leuten und in die raue Natur. Für dieses Ideal steht die Skizze eines Jungen, der ein Bündel Reisig schultert. „Das Kabinett in der Galerie“ heißt die kleine Ausstellung mit Zeichnungen von Gainsborough, Jonathan Richardson jun. oder George Romney, mit der das Kupferstichkabinett erstmals Einblick in diesen Sammlungsbereich gibt – indem es diesmal ein paar Räume weiter in der Gemäldegalerie gastiert (Kulturforum am Potsdamer Platz, bis 28.3., Di–So 10–18, Do 10–22 Uhr). Dass gemalte und gezeichnete Porträts damals eher geringes Ansehen genossen, lässt sich in Zeiten des Fotohandys kaum nachvollziehen. Umso besser, dass die Kabinettausstellung über eine Diskussion unter Künstlern informiert, was ein gelungenes Porträt sei. Gainsborough pochte auf die individuellen Züge einer Person, Sir Joshua Reynolds votierte gegen Details und für die Angleichung des Gesichts an einen bestimmten Typus. Das Exempel dazu: Lebendig, gleichsam mitten in einer Drehung ins Dreiviertelprofil, verewigte Reynolds seinen Freund Caleb Whitefoord. Jens Hinrichsen

THEATER

Assoziativer Sekundenkleber: „West in Peace“ im Hebbel am Ufer

Was hat Karl Marx mit Karl May gemeinsam? Nun, wahrscheinlich genau so viel wie Lenin mit Lennon. Aber das heißt ja nicht, dass die prägenden Köpfe aus Pop und Politik in den Inszenierungen des Performance-Kollektivs andcompany & Co nicht Blutsbrüderschaft schließen könnten, meist im Zuge einer fidelen Splatter-Orgie aus dem Zombieland der Ideologien. Die Spezialität der internationalen Truppe, die soeben mit ihrer Arbeit „Mausoleum Buffo“ zum Impulse-Festival eingeladen war, ist es, die großen Untoten des 20. Jahrhunderts mit dem assoziativen Sekundenkleber aneinanderzuleimen und aus den schiefen Bildern so irrlichternde wie erhellende Kontexte entstehen zu lassen – es gehört zusammen, was nicht zusammenwächst. Auch in ihrer jüngsten Arbeit „West in Peace oder Der letzte Sommer der Indianer“ im HAU 3 mixen die Performer um Mastermind Alexander Karschnia, ausgehend eben von May und Marx, einen sozialistisch-kapitalistischen KalauerClash, schlagen ihr Diskurslager irgendwo im geistigen Grenzgebiet zwischen der Ware Westen und dem wildem Osten auf. „Mausoleum Buffo“ war zwar im Vergleich die stärkere Arbeit, aber auch „Der letzte Sommer der Indianer“ - neben Karschnia von Nicola Nord, Sarah Günther, Sebastian Suba und Sascha Sulimma ersonnen und gespielt – ist eine vor Phantasie überbordende Kurzschluss-Extravaganza, die über polnische Westernstädte zu verschiedenen Herrschaftstheorien führt, von Joschka Fischers Turnschuhen zu Klaus Kinskis Erlöser-Auftritten. Und die wiederum, in ironieerprobter Agit-Prop-Manier, die Frage stellt, was von den Idealen übrig blieb. Patrick Wildermann





KUNSTGEWERBE

Himmlische Ornamente: Syrische Wohnwelten im Pergamonmuseum

Was sich hinter den grauen, fast fensterlosen Häuserfassaden in Damaskus, Aleppo oder den ländlichen Regionen im Nordosten Syriens verbirgt, ahnt niemand. Zumindest nicht, bevor er die Fotos der Ausstellung „Wohnwelten. Gewebte Gärten und gemalte Blumen – paradiesische Innenansichten syrischer Hofhäuser“ im Pergamonmuseum gesehen hat (Museum für Islamische Kunst, bis 14.2., Fr–Mi 10–18 Uhr, Do 10–22 Uhr). Zitrusbäume und Weinreben umrahmen Springbrunnen, auf deren türkisfarbenem Wasser Seerosen schwimmen. Bunte Türen und Fensterrahmen leuchten mit Mosaiken um die Wette. Kein Wunder, dass Syrer den Hof als Herzstück des Hauses empfinden – und den Himmel, der sich darüber ausbreitet, als ihren eigenen. Die Innenräume der städtischen Wohnhäuser, vorwiegend im 18. und 19. Jahrhundert erbaut, sind nicht minder prächtig. Vor allem der Iwan, ein repräsentativer, durch einen offenen Bogen abgetrennter Wohnbereich, beeindruckt mit schweren Teppichen und aufwendigen Stickereien. Doch das Pergamonmuseum zeigt nicht bloß Abbilder einer fremden Welt, sondern auch echte Möbel und Dekorationen: Osmanische Fliesenfelder mit Ornamenten, Kordeln und Blumenmustern. Und natürlich einen Gebetsteppich mit Spitze, ausgerichtet nach Mekka. Schönes, schlichtes Syrien: Seine Schätze bewahrt es im Inneren. Annabelle Seubert

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.12.2009)
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