Artenius-Trio in der Orangerie Glienicke : Schlossidyll

Das Artenius-Trio schwitzt in der Orangerie Glienicke: Vor allem Mendelssohn interpretiert es rund und stimmig.

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Fernab der großen städtischen Hitzeschlacht, mittendrin in der grün-wässrigen Idylle des Glienicker Schlossparks, direkt an der berühmten Brücke liegt das Sommerschloss des Prinzen Carl von Preußen. Ein rühriger Konzertverein organisiert hier seit Jahren mal mehr, mal weniger ambitionierte Kammerkonzerte – aber immer unter Beteiligung von Musikern namhafter Orchester. Im Winter spielt man im Gartensaal, im Sommer in der luftigen Orangerie. Es locken Schlossführungen und eine edel anmutende Gastronomie.

Kurzum: In Glienicke ist die Welt noch in Ordnung, ein Hort großbürgerlichen Musiklebens, wie es spätestens seit der Gründerzeit existiert hat. Heutzutage wirkt es fast anachronistisch, sich an heißen Wochenendnachmittagen der Kammermusik hinzugeben, und doch macht gerade diese Konzentration den Reiz der Konzertreihe aus: Unter den vielfältigen einladenden Eindrücken der Umgebung gehört unbedingter Wille dazu, sich hier zu versenken. Der Saal ist voll.

Im Falle des Artenius-Trios macht das entrückte Zuhören richtig Spaß. Mit Geigerin Mika Yonezawa und Cellist Kleif Carnarius proben hier Erstpultlinge der Komischen Oper mit fröhlicher Energie den Ausbruch aus dem Berlin-Mitte-Alltag. Besonders macht das Trio aber erst Katia Tchemberdji am Steinway, der man ihre an zahlreichen Kompositionen geschulte Musikalität auch bei den Werken ihrer Vorgänger anhört. Als Pianistin hat die immerhin 54-Jährige einen kraftvollen, typisch russischen Zugriff, sie verhätschelt ihren Part nicht, wie es sonst viele Triopianisten gerade bei Beethoven tun. Immerhin heißen die meisten Stücke für dieses Ensemble ja nicht umsonst Klaviertrio, das merkt man auch dem zweiten Mendelssohn’schen Beitrag zur Gattung unter Tchemberdjis Händen erfreulich deutlich an.

Die Professionalität der einzelnen Musiker kann freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie als Trio kaum eingespielt sind, da fehlt es naturgemäß an klangfarblicher Homogenität. Und ein Ravel braucht einen völlig neuen Musizieransatz, das zauberhaft Flirrende, gleißend Impressionistische kommt beim Artenius-Trio kaum zur Geltung. Richtig beeindruckend dann aber Mendelssohns Standardwerk, in dem sich die Musiker zu Hause fühlen und, tapfer der Hitze trotzend, eine völlig runde Interpretation liefern. Der Applaus eines dankbaren Publikums macht die Idylle perfekt.

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