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Kultur : Arzneimittel unter Verdacht: Gefährlicher als Auto fahren? Experten streiten um Zahlen

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An Nebenwirkungen von Medikamenten sterben nach Angaben von Bremer Forschern bis zu 16 000 Menschen im Jahr in Deutschland - doppelt so viele wie im Straßenverkehr. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der Pharmakologe Peter Schönhöfer im vergangenen Herbst veröffentlicht hat. Schönhöfer hat seit 1985 Medikamenten-Nebenwirkungen in vier Bremer Zentralkrankenhäusern erfasst und anschließend auf ganz Deutschland hochgerechnet. Der Bundesfachverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) hält die Methode für "unseriös".

In den Vereinigten Staaten starben einer Hochrechnung kanadischer Wissenschaftler zufolge im Jahr 1994 mehr als 100 000 Menschen an Medikamenten-Nebenwirkungen. Würde man das Ergebnis auf Deutschland übertragen, entspräche das rund 25 000 Todesfällen hierzulande. Auf diese Zahl kommt auch der Hannoveraner Pharmakologe Jürgen Frölich in einer Schätzung.

Beim BAH verweist man dagegen auf eine Untersuchung des Berliner Robert-Koch-Instituts. Dessen Wissenschaftler beobachteten im Jahr 1995 rund 5000 Menschen bei 7000 Medikamenten-Einnahmen. Bei sechs Prozent der Patienten, die ihre Arznei von einem Arzt verordnet bekamen, stellten sich Nebenwirkungen ein, von denen wiederum jeder Vierhundertste eine komplette Arzneimittel-Unverträglichkeit - also schwere Nebenwirkungen - zeigte. Bei denen, die sich rezeptfrei in der Apotheke selbst versorgten, hatten zwei Prozent der Testpersonen Nebenwirkungen, davon wiederum ein fünftel Prozent schwere. Der Unterschied hat seinen Grund in der Wirkungsschwäche rezeptfreier Medikamente. Eine Arznei, die schwach ist in ihrer Wirkung, ist es auch in der Nebenwirkung. Seriös hochrechnen ließen sich die Prozentzahlen nicht, heißt es beim Bundesfachverband. Es fehlten noch zu viele Daten.

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