Kultur : "As Malibran": Gestürzt

Fritzi Uhlig

Mit nur 28 Jahren fiel die begeisterte Reiterin Maria Malibran vom Pferd und verletzte sich schwer. Todkrank, so erzählt sich die Musikgeschichte, habe sie noch Bellinis "Sonnambula" gesungen. Das tragische Schicksal der Mezzosopranistin eignete sich grandios zur Legendenbildung: Vom Vater, dem gefeierten Tenor und berühmten Gesangslehrer Manuel García ebenso zum Singen getriezt wie ihre Schwester Pauline Viardot, sang sie bald an allen führenden Theatern Europas und Nordamerikas. Eine Ehe wurde annulliert, die zweite durch besagten Reitunfall beendet. Nun hat die brasilianische Komponistin Jocy de Oliveira sich durch einen Essay von Cathérine Clement dazu verleiten lassen, das Leben der Maria Malibran als Beispiel für die Unterdrückung der Frau zu sehen. Der Lebenslauf Malibrans schleppt sich von Ophelia, gefangen in den Saiten des Klaviers, über Desdemona und Iphigenie bis zum Tod der gequälten Frau. Kein Wort von den Freuden ihres Berufs, kein Bild für die Triumphe über ein Publikum, das ihr zeitlebens zu Füßen lag. Jocy de Oliveira ist einzig an der Leidensgeschichte interessiert. Doch auch für die Alpträume dieses Künstlerinnenlebens fehlt dem "Opera Ensemble Jocy de Pilveira" die Kraft. Müde schleppen sich die Sphärenklänge der vier Instrumentalisten dahin Da hilft es auch nichts, dass die beiden Sängerinnen wirklich ihr Metier beherrschen. In Filmprojektionen erzählt eine alte brasilianische Schauspielerin aus ihrem Leben oder aus dem Leben der Malibran oder vielleicht auch aus südamerikanischen Kochbüchern, ganz egal. Verbunden mit Klangcollagen aus den Lautsprechern stellt sich hier für Augenblicke der Zauber eines verbrauchten Lebens mit Höhen und Tiefen ein.

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