Kultur : Ashkenazy und DSO-Solisten im Berliner Kammermusiksaal

Ulrich Amling

"Ich habe Ärger mit meinem Herzen und mit den Lungen. Meine rechte Hand schreibt nur mit großer Mühe." Dmitri Schostakowitsch hat die Sonate für Viola und Klavier 1975 seinem Sterben abgerungen: Eine bittere Rückschau auf ein Leben, dass unter den Repressionen der sowjetischen Kulturpolitik und dem jähen Verlust naher Freunde immer engere, einsamere Kreise um einen großen Musiker zog. Vladimir Ashkenazy entdeckt in seinem Konzert zusammen mit Solisten des DSO, wie sehr Schostakowitsch unter diesen Eindrücken darum gekämpft hat, seine musikalische Sprache, sein geistiges Überleben, zu retten. Ein Kammermusikabend von seltener Tiefe, der gerade durch die spröde Sachlichkeit seiner Interpretationen um so mehr unter die Haut kroch. Nach Kompositionen für Streichoktett aus der Studentenzeit - beredt, beherzt zupackend und bewandert in Formen und Färbungen -, schmerzen die fahl gestrichenen, leeren Bratschensaiten des opus ultimum, die erlahmte Rhetorik, die stampfenden Aufbrüche in die Leere. Igor Budinstein, Solo-Bratscher des DSO, scheut weder Tonlosigkeit noch klirrenden Kälte. Auch Ashkenazy entzieht sich versunken hinter seinem Flügel mit fast beängstigender Konsequenz virtuosem Glänzen. So kommt es, dass im zweiten Klaviertrio von 1944 grelle Farbstiche etwas unterbelichtet bleiben. Das Zusammenfließen von persönlichem und kollektivem Unglück in Zeiten des Krieges mag hysterischer, auch verspielter aufgeführt werden können: mit größerer Innerlichkeit als von Ashkenazy - den man schon jetzt in Berlin vermisst - und "seinen" Musikern sicher nicht.

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