Kultur : Asien, Fantasien

Mozarts „Zauberflöte“ als japanische Komödie im Radialsystem

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Mal ehrlich: Den allermeisten Menschen kommt Oper ja sowieso japanisch vor. Fremd, exotisch, unverständlich. Da ist es nur konsequent, „Die Zauberflöte“ gleich von einem Kyogen-Ensemble aus Kyoto spielen zu lassen. Seit 2002 kooperieren die Bläsersolisten der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen mit der japanischen Volkstheatertruppe, haben für „Don Giovanni“ sowie „Die Hochzeit des Figaro“ Fassungen erarbeitet, bei denen die Deutschen Mozarts Melodien in Harmoniemusik-Arrangements darbieten, während die Schauspieler in Sketch- artigen Szenen die Handlung verständlich machen. Und zwar nach den Jahrhunderte alten Regeln des japanischen Komödienstils: stark stilisiert sind dabei nicht nur die Kostüme, sondern eben auch die Gefühle: Lachen, Weinen, Kreischen wie im Kasperletheater.

Lange haben die Musiker der Kammerphilharmonie gezögert, diese Crossover- Versionen auch in ihrer Heimat zu zeigen. Um so erstaunter waren sie am Sonntag, als das Publikum im Radialsystem ebenso begeistert wie lachfreudig bei der Deutschlandpremiere mitging. Vordergründig erinnert die naive Spielfreude der Darsteller an Zeiten, als hierzulande im Musiktheater tatsächlich noch ganz geradlinig Geschichten erzählt wurden. Unter der heiteren Märchenebene tun sich psychologisch spannende Räume auf: wenn beispielsweise Pamina, um die sich ja die ganze Handlung dreht, nur als gemaltes Püppchen im Kimono präsent ist, ein Papp-Abbild, das von ihren Verehrern über die Bühne geschoben wird. Sehr interessant auch, wie die Königin der Nacht respektive Sarastro – in Masayasu Komiyas Nachdichtung „Der Lehrmeister“ genannt – mit den gesellschaftlichen Konventionen hadern: Solange sie ihre Masken tragen, müssen sie ihre Rolle ausfüllen. Erst wenn sie den Kopfschmuck nach hinten drehen, dürfen sie sich menschliche Schwächen erlauben, so wie bei Mozart ihre Bediensteten, die Drei Damen respektive Monostatos.

Musikalisch muss diese bezaubernde Produktion übrigens nicht nur auf den Gesang, sondern auch auf das Titel gebende Instrument verzichten: Dessen Part übernimmt in den stark verkürzten, elegant gesetzten Nummern – fast ohne Klangreizverlust – die Oboe. Frederik Hanssen

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