Kultur : Atem und Fülle

KAMMERMUSIK

Ulrich Pollmann

Schweißtreibend, was die Preisträger des ARD-Wettbewerbs im Konzerthaus zu bieten hatten. Vor allem die Solostücke gingen an die Grenze des körperlich zumutbaren. Isang Yuns „Monolog“ für Fagott versucht mit aller Macht, dem Instrument die Geschmeidigkeit einer Klarinette abzuquälen. Guillermo Salcedo meisterte das Stück mit Hingabe. Ungeheure bläserische Ausdauer wurde auch Nora Cismondi in Yuns Oboensolo „Piri“ abverlangt. Das Stück mit seinen dynamischen Tonschattierungen geriet zu einem farbenprächtigen Höhepunkt des Abends. Aribert Reimanns „Solo für Oboe“ bot Alexandre Gattet dagegen in etwas entspannterer Manier reiche Gelegenheit zu geschmeidig-melodischer Gestaltung.

Überzeugen konnten die beiden Oboist(in)en bereits zu Begin des Konzerts mit Jan Dismas Zelenkas F-Dur Trio. Das überraschend reich komponierte Stück gelang wunderbar geschmeidig und differenziert im Klang, beeindruckend die dynamische Gestaltung des Tons, perfekt das Zusammenspiel mit der Continuogruppe.

Kammermusik von Robert Schumann bildete einen weiteren Schwerpunkt im wohlausgewogenen Programm. Die Stücke op. 70 und op. 73 für Violoncello und Klavier forderten von dem Cellisten Jens Peter Maintz und dem Pianisten Stephan Kiefer feinste Sensibilität im Zusammenspiel. Die recht freien Stücke gerieten spontan und atmend. Schumanns Klaviertrio d-moll, vom „Trio con Brio“ gespielt, machte dem Namen des Ensembles dann alle Ehre. 20 Minuten Dauerespressivo mögen bei manchem Zuhörer ein gewisses Völlegefühl hinterlassen haben, die Darbietung des Trios riss die Hörer von den Stühlen.

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