Kultur : Atemberaubend

GREGOR SCHMITZ-STEVENS

Virtuose Musiker haben immer wieder Komponisten angeregt, für ihr Instrument zu schreiben - wenn sie es schon nicht selbst getan haben.Zu dieser Gattung gehörte der französische Violinvirtuose Jean-Marie Leclair, zu den Anregern die Bratschistin Tabea Zimmermann, für die unter anderen György Kurtßg und György Ligeti komponiert haben.Gemeinsam mit Thomas Riebl, dem Bratschisten des "Wiener Streichsextetts", spielten die beiden Musiker nun im Kammermusiksaal des Schauspielhauses Werke für ein und zwei Bratschen.

Die Stücke für Viola solo, die Kurtßg unter dem Titel "Zeichen, Spiele und Botschaften" gesammelt hat, sind über einen langen Zeitraum entstanden, von 1961 bis heute.Und doch wirken sie sehr einheitlich: in ihrem aphoristischen Stil, in ihrem ganz subjektiven Sprachcharakter, der am Rande des Verstummens musikalisch artikuliert, was ins Transzendente weist.Mit viel Feingefühl nahm sich Thomas Riebl dieser zwölf expressiven Miniaturen an.Seine konzentrierte Interpretation ließ das Publikum ganz still und aufmerksam werden - und doch hatte man das Gefühl, als brauchten die einzelnen Zeichen, Gesten, ja die einzelnen Noten noch mehr Raum, mehr Ruhe und Stille, um sich ganz entfalten zu können.

Unmittelbarer wirkt die Solosonate von György Ligeti, die in ihrer jetzigen sechssätzigen Form aus dem Jahre 1994 stammt.Ein traditionell-virtuoses Element tritt in ihr stärker zu Tage, zum Beispiel im atemberaubend dahineilenden "Prestissimo con sordino" oder in der abschließenden, vielstimmig-akkordischen "Chaconne chromatique".Tabea Zimmermann entfachte hier ein faszinierendes Klangfeuerwerk.Kontrastierend steht diesen Sätzen der elegische erste gegenüber: "Hora lunga", ein fast folkloristischer einstimmiger Gesang auf der C-Saite, komponiert aus Naturobertönen bis hinauf in die Bereiche fragiler Flageoletts.Tabea Zimmermanns imposante Interpretation machte deutlich, daß dies große Musik ist - wenn auch der avantgardistische Stachel, den Ligetis Werke einst auszeichneten, hier kaum noch zu finden ist.

Eingebettet waren die beiden modernen Solostücke in drei Duosonaten von Jean-Marie Leclair aus Opus 12.Ursprünglich für zwei Geigen geschrieben, liegen sie für Bratsche mitunter recht hoch - doch gerade dies, verbunden mit dem sonoren Unterton, gab der Interpretation einen besonderen klanglichen Reiz.Der barocke Musiker, der seine Karriere als Tänzer begonnen hatte, hat in diesen wunderbaren Stücken eine ungeheure Vielfalt an Satzcharakteren und Stimmungen geschaffen.Tabea Zimmermann und Thomas Riebl spielten wunderschön, ersetzten mit ihren beiden Instrumenten nicht selten ein ganzes Ensemble.Insgesamt ein Abend, der in der Zusammenstellung des Programms wie in der interpretatorischen Qualität wohl kaum zu überbieten ist.GREGOR SCHMITZ-STEVENS

Virtuose Musiker haben immer wieder Komponisten angeregt, für ihr Instrument zu schreiben - wenn sie es schon nicht selbst getan haben.Zu dieser Gattung gehörte der französische Violinvirtuose Jean-Marie Leclair, zu den Anregern die Bratschistin Tabea Zimmermann, für die unter anderen György Kurtßg und György Ligeti komponiert haben.Gemeinsam mit Thomas Riebl, dem Bratschisten des "Wiener Streichsextetts", spielten die beiden Musiker nun im Kammermusiksaal des Schauspielhauses Werke für ein und zwei Bratschen.

Die Stücke für Viola solo, die Kurtßg unter dem Titel "Zeichen, Spiele und Botschaften" gesammelt hat, sind über einen langen Zeitraum entstanden, von 1961 bis heute.Und doch wirken sie sehr einheitlich: in ihrem aphoristischen Stil, in ihrem ganz subjektiven Sprachcharakter, der am Rande des Verstummens musikalisch artikuliert, was ins Transzendente weist.Mit viel Feingefühl nahm sich Thomas Riebl dieser zwölf expressiven Miniaturen an.Seine konzentrierte Interpretation ließ das Publikum ganz still und aufmerksam werden - und doch hatte man das Gefühl, als brauchten die einzelnen Zeichen, Gesten, ja die einzelnen Noten noch mehr Raum, mehr Ruhe und Stille, um sich ganz entfalten zu können.

Unmittelbarer wirkt die Solosonate von György Ligeti, die in ihrer jetzigen sechssätzigen Form aus dem Jahre 1994 stammt.Ein traditionell-virtuoses Element tritt in ihr stärker zu Tage, zum Beispiel im atemberaubend dahineilenden "Prestissimo con sordino" oder in der abschließenden, vielstimmig-akkordischen "Chaconne chromatique".Tabea Zimmermann entfachte hier ein faszinierendes Klangfeuerwerk.Kontrastierend steht diesen Sätzen der elegische erste gegenüber: "Hora lunga", ein fast folkloristischer einstimmiger Gesang auf der C-Saite, komponiert aus Naturobertönen bis hinauf in die Bereiche fragiler Flageoletts.Tabea Zimmermanns imposante Interpretation machte deutlich, daß dies große Musik ist - wenn auch der avantgardistische Stachel, den Ligetis Werke einst auszeichneten, hier kaum noch zu finden ist.

Eingebettet waren die beiden modernen Solostücke in drei Duosonaten von Jean-Marie Leclair aus Opus 12.Ursprünglich für zwei Geigen geschrieben, liegen sie für Bratsche mitunter recht hoch - doch gerade dies, verbunden mit dem sonoren Unterton, gab der Interpretation einen besonderen klanglichen Reiz.Der barocke Musiker, der seine Karriere als Tänzer begonnen hatte, hat in diesen wunderbaren Stücken eine ungeheure Vielfalt an Satzcharakteren und Stimmungen geschaffen.Tabea Zimmermann und Thomas Riebl spielten wunderschön, ersetzten mit ihren beiden Instrumenten nicht selten ein ganzes Ensemble.Insgesamt ein Abend, der in der Zusammenstellung des Programms wie in der interpretatorischen Qualität wohl kaum zu überbieten ist.

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