Attentat auf John F. Kennedy : Das amerikanische Trauma

Vor fünfzig Jahren wurde der US-amerikanische Präsident John F. Kennedy in Dallas erschossen. Jetzt kommt ein Buch zu dem Urteil: Es gab keine Verschwörung.

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Auftakt einer Tragödie. John F. Kennedy und Jacqueline Kennedy werden am 22. November 1963 durch Dallas gefahren. Das Bild entstand wenige Augenblicke vor dem Attentat.
Auftakt einer Tragödie. John F. Kennedy und Jacqueline Kennedy werden am 22. November 1963 durch Dallas gefahren. Das Bild...Foto: mauritius images

Der Schuss, der John F. Kennedy tötete, klang – so sagte später einer seiner Leibwächter – „als würde man eine Melone auf einen Betonboden schmettern“. Hätte der amerikanische Präsident am 22. November 1963 nicht ein Stützkorsett getragen, dann hätte er das Attentat wahrscheinlich überlebt. Der Attentäter Lee Harvey Oswald schoss drei Mal auf Kennedy und traf ihn zwei Mal.

Der erste Schuss, der Kennedys Luftröhre und seine Lunge verletzte, hätte normalerweise seinen Oberkörper nach vorne geschleudert. Dann wäre der Präsident aus dem Schussfeld heraus gewesen. Und gerettet. Doch das Korsett, das sich der an einem schmerzhaften Rückenleiden laborierende Kennedy umgeschnallt hatte, hielt ihn aufrecht. So traf ihn die dritte Kugel des Attentäters, abgeschossen aus einem Infanteriekarabiner Kaliber 6.5 mm, am Hinterkopf. „Mein Gott, man hat ihm den Kopf weggeschossen“, schrie Jackie Kennedy, die neben ihrem tödlich getroffenen Mann saß.

Fünfzig Jahre ist es her, dass John F. Kennedy in Dallas starb. Sein Tod hat die Amerikaner tief traumatisiert, der Schock traf sie mit ähnlicher Wucht wie der japanische Angriff auf Pearl Harbor 1941 und die Anschläge vom 11. September 2001. Kennedy war mit 43 Jahren zum Präsidenten gewählt worden. Sein jugendliches Charisma schien eine Ära des Optimismus und des Aufbruchs anzukündigen. Doch nach den Todesschüssen von Dallas begann ein Zeitalter von Konfrontation und Paranoia, es folgten der Krieg in Vietnam, die Kämpfe der Bürgerrechtsbewegung, die Morde an Martin Luther King und Robert Kennedy.

Es war ein Klima, in dem die Verschwörungstheorien nur so sprossen. Lee Harvey Oswald hatte John F. Kennedy nur um 48 Stunden überlebt, er war, als er ins Gefängnis überstellt werden sollte, im Keller des Polizeihauptquartiers von Dalles von einem Nachtclubbesitzer erschossen worden. Zwar kam die von Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson einberufene Warren-Kommission zu dem Ergebnis, dass Oswald ein Einzeltäter gewesen sei. Doch davon ließen sich die Verschwörungstheoretiker nicht stoppen, sie machten wahlweise CIA oder KGB, die Mafia oder Fidel Castro für Kennedys Tod verantwortlich. Das Ende des Präsidenten, festgehalten auf den körnigen Super-8-Bildern eines Amateurfilmers, stieg auf zu einem Teil der amerikanischen Popkultur.

Schriftsteller wie Don DeLillo („Sieben Sekunden“) , James Ellroy („Ein amerikanischer Thriller“) oder Steven King („11/22/63“) und Filmregisseure wie Oliver Stone („JFK – Tatort Dallas“) oder Wolfgang Petersen („In the Line of Fire“) arbeiteten sich am Attentat ab. „Die Theorien wucherten, es gab einen Sumpf voller Möglichkeiten“, sagte Norman Mailer, der selber zwei Bücher über Oswald und den Kennedy-Mord veröffentlichte. Am Ende fand er allerdings keine der präsentierten Komplotttheorien plausibel: „Es gibt zu viele störende Details, die einfach nicht zusammenpassen.“

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