Attwenger: Blasmusik im Ballhaus : Ich will Obstler!

Schwofen, schwitzen und zum Schluss einen Obstler: Das österreichische Energiewalzen-Duo von Attwenger begeisterten im rappelvollen Ballhaus mit wilder Volksmusik.

Volker Lüke
Das Duo von Attwenger auf der Bühne.
Zwei-Mann-Energiewalze: Attwenger auf der Bühne.Foto: dpa

Seit 25 Jahren stehen Attwenger für Qualität „Made in Austria“. Bis nach Sibirien, Zimbabwe, Pakistan, Mexiko und Vietnam sind sie vorgedrungen und haben Volksmusik gegen die Wand gespielt – mit Witz und Ernsthaftigkeit, was das Bearbeiten ihrer musikalischen Quellen angeht. Kompromiss ist ihr Mix aus traditionellem Material, Elektro, Punk und afroamerikanischen Hip-Hop-, Funk- und Blues-Einflüssen. Die Zwei-Mann-Energiewalze hat das „Lonely Boy“-Video der Black Keys für die aktuelle Single „Oida“ kongenial kopiert, als Vorläufer für den neuen Longplayer „Spot“, der unter verstärktem Einsatz elektronischer Sounds Heimatklänge dekonstruiert und das Ergebnis auf verschlagen-hinterwäldlerische Art als moderne Musik präsentiert.

Im rappelvollen Ballhaus begeistern Attwenger mit ungebrochener Energie und Spielfreude: Markus Binder an Mini-Schlagzeug-Kiste und Maultrommel, Hans-Peter Falkner an der Steirschen Knopfharmonika, elektrisch verstärkt und mit allerlei Effektgeräten verschaltet. Zwei räudige Individualisten, denen die Authenzität ihrer Gefühle und Obsessionen wichtiger sind als antrainierte Virtuosität und die dennoch überaus virtuos und keinesfalls clownesk, aber immer soulful und mörderfunky in ihren Traditionen aufgehen.

Es wird geschwoft, gebrüllt, geschwitzt

Binder groovt mit erstaunlicher Präzision. Falkner schnauft wie eine Dampflok, von der es kein Abspringen gibt. Dazu rattern digitale Beats von der „Festplottn“, alles verdichtet sich zu hochenergetischen 2-Step-Disco-Ländlern, manisch gedroschenen Hardcore-Zwiefachern, lustigem Dada-Rap-Gstanzl oder querschädeligen Hillbilly- Hip-Hop-Polkas – eine unberechenbare Drum-&-Quetschkommoden-Musik, die unverschämt ans Tanzbein kickt. Wobei es immer dann am schönsten ist, wenn der fonetische Wahnwitz ihres ganz eigenen Sprechgesangs mit dem Irrsinn der Musik zusammenfällt: „Des is des ende von da wöd wia ma sie kenan und i feel fine.“

100 Minuten lang wird geschwoft, gebrüllt und geschwitzt, bis sich Falkner, Binder und das restlos begeisterte Publikum ebenso erschöpft wie glücklich bei einem Bier erholen dürfen. Und zum Jubiläum gibt es hinterher einen scharf zischenden Obstler aus Tirol.

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