Kultur : Auch Bleistifte brauchen ein System

Weaver & Rickman: die Pressekonferenz

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Ordnung muss sein, gerade auf dem Schreibtisch. Dreharbeiten mit einer Autistin, und sei deren Krankheit auch nur gespielt, haben Folgen, und so gewöhnte sich auch Alan Rickman an, die Bleistifte immer akkurat zu arrangieren. Kleine Manien haben doch viele Menschen, das hat er beim Dreh von „Snow Cake“ gelernt. Und noch etwas, und das ist wichtiger: Man wird, wenn man sich mit Autisten beschäftigt, sehr bescheiden.

Eröffnungsfilme werden besonders kritisch beäugt, schon viele auf der Berlinale fanden keine Gnade. „Snow Cake“ scheint es nicht so zu gehen, die Grundstimmung auf der Pressekonferenz im Hyatt-Hotel war sehr positiv. Und dies, obwohl die Balance aus Ernsthaftigkeit und Heiterkeit des Films sich bei dem Wechselspiel von Fragen und Antworten nicht einstellen will und der Ernst überwiegt.

Klar, dass die erste Frage an Sigourney Weaver auf ihre Vorbereitung zielt. Monatelang hatte sie mit Autisten zusammengearbeitet und ihr Wesen zu erforschen gesucht. Selbstverständlich gebe es Gemeinsamkeiten in der Krankheit, aber an sich sei doch jeder einzigartig. Wenn man sich lange mit ihnen beschäftige, lerne man selbst, die Dinge etwas anders zu sehen, erkenne die Absurdität, die sich im so genannten Normalen oft verstecke, und sehe auch, wieviel Freude man an einfachen Dingen haben könne.

Seine Figur sieht Alan Rickman gar nicht als sehr traurig an, schließlich finde sein Alex doch zu einer Erlösung. Eine Rolle, die sich schwieriger gestaltete, als er zunächst erwartet hatte. Eine Überraschung, die auch der Regisseur mit dem Film machte – auf ganz anderem Terrain. In einem 300-Seelen-Nest in Ontario sollte gedreht werden, schon wegen des Titels: mit viel Schnee. Aber als es losgehen sollte, war der geschmolzen. Und die Dorfbewohner mussten erst mal fleißig schippen, um aus den Resten doch noch eine überzeugende Schneelandschaft zu zaubern. ac

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